Privat oder staatlich studieren?

Bei der Überlegung nach einem Studium kommt es nicht nur darauf an, was du studieren willst und wo – sondern auch, ob es sich bei der Hochschule um eine staatliche oder eine private Einrichtung handelt. Wir erklären dir hier die jeweiligen Unterschiede, damit du deine Entscheidung bestens informiert treffen kannst.

Bei den meisten Studiengängen hast du die Wahl, ob du sie an einer privaten oder einer staatlichen Hochschule studieren möchtest, es gibt allerdings weiterhin Studiengänge, die entweder nur an staatlichen Universitäten (beispielsweise Medizin oder Jura) oder auch nur an privaten Hochschulen angeboten werden. Doch wo genau liegen die Unterschiede der beiden Formen?


Studium an staatlichen Hochschulen

Zu den staatlichen Hochschulen zählen auf jeden Fall immer die Universitäten, da kannst du dir also sicher sein, dass es sich um eine staatliche Einrichtung handelt. Bei Fachhochschulen gibt es auch eine ganze Reihe an staatlichen Hochschulen, allerdings musst du da genau darauf achten.

Was macht eine staatliche Hochschule aus?

Keine Studiengebühren

An staatlichen Hochschulen werden keine Studiengebühren (mehr) erhoben, du musst lediglich einen Semesterbeitrag bezahlen, der je nach Hochschule unterschiedlich hoch ausfallen kann. Grundsätzlich kannst du aber auf jeden Fall mit 200 Euro pro Semester rechnen. In den meisten Fällen ist in diesem Semesterbeitrag auch schon ein Ticket für den Nahverkehr inkludiert (häufig gilt das Ticket sogar für das ganze Bundesland), sodass du zumindest schon mal keine Fahrtkosten mehr zusätzlich zahlen musst.

Wissenschaftliche Ausrichtung

An Universitäten und staatlichen Fachhochschulen liegt der Fokus ganz klar auf der Wissenschaft und der Forschung und weniger auf praktischen Inhalten. Das hat Vorteile, zum Beispiel wenn du sowieso eine wissenschaftliche Karriere planst und promovieren möchtest, denn damit bist du an einer Uni auf der sicheren Seite. Wenn du allerdings eher praktisch veranlagt bist und dein erlerntes Wissen gerne sofort anwenden möchtest, sieht das an staatlichen Hochschulen nicht so gut aus.

Große Flexibilität

Das Studienangebot an staatlichen Einrichtungen ist sehr groß und du hast fast die freie Wahl, wenn es um Fachbereiche und Studiengänge geht. Zudem ist ein Vorteil an Unis, dass du relativ viel Freiheit hast bei der Gestaltung deines Studienplans, in dem du aus verschiedenen Seminaren und Vorlesungen aussuchen kannst. Das ist zwar durch die Modularisierung der Studiengänge wegen der Änderung auf Bachelor- und Master-Abschlüsse mittlerweile nicht mehr ganz so flexibel wie früher, aber grundsätzlich hast du häufig immer noch die Wahl innerhalb von Modulen.

Was ist nicht so gut an staatlichen Hochschulen?

Überlaufene Studiengänge

An staatlichen Hochschulen sind die Studiengänge oft sehr voll, sodass es durchaus vorkommen kann, dass du dein Wunschseminar nicht bekommst, weil alle Plätze bereits vergeben sind oder dass du auf dem Boden sitzen musst. Dadurch wird das ganze Studium auch sehr anonym und du kannst schnell in der Masse untergehen. Um bei Dozenten aufzufallen, musst du aktiv werden, beispielsweise durch rege Mitarbeit.

Veraltete Ausstattung

An staatlichen Hochschulen mahlen die Mühlen langsam. Das heißt, bis sich die neueste Technik auch an Universitäten durchsetzt, kann schon mal einige Zeit vergehen. Genauso kann es sein, dass die Hochschulgebäude größtenteils renovierungsbedürftig sind. Mit modernen Räumen solltest du an staatlichen Einrichtungen also eher nicht rechnen, allerdings muss man auch sagen, dass Unis in der Regel ja auch schon einige Jahre auf dem Buckel haben.


Studium an einer privaten Hochschule

Private Hochschulen haben häufig noch mal ein anderes Studienangebot als öffentliche Einrichtungen: die Studiengänge sind häufig sehr spezialisiert und damit auf einen bestimmten Beruf bzw. eine bestimmte Branche ausgerichtet. Wenn du also schon zu Studienbeginn weißt, in welche Richtung du später mal beruflich gehen möchtest, kannst du an privaten Hochschulen und Akademien gezielt nach passenden Studiengängen suchen. Da sind staatliche Hochschulen normalerweise etwas generalistischer gehalten und bieten z. B. „nur“ ein BWL-Studium an, während du bei privaten Anbietern beispielsweise ganz explizit BWL-Dienstleistungsmanagement studieren kannst.

Was ist gut bei privaten Anbietern?

Bessere Studienbetreuung

Die Studiengruppen an privaten Hochschulen sind grundsätzlich kleiner als an öffentlichen Hochschulen. Je nach Größe des Anbieters werden manchmal auch nur 30 Studierende pro Studiengang zugelassen. Dadurch kennen die Dozenten ihre Studierenden viel schneller persönlich und haben zudem mehr Zeit, sich mit jedem einzelnen zu beschäftigen. Die Betreuung erfolgt also viel individueller und auf einer persönlicheren Ebene als das an Unis häufig der Fall ist.

Moderne Ausstattung

Private Einrichtungen sind in der Regel – auch wegen der Studiengebühren – auf dem neuesten Stand der Technik und haben ihren Sitz in relativ neuen Gebäuden, die zeitgemäß eingerichtet sind. Gerade der Technik-Aspekt kann auch einen ganz neuen Anreiz beim Lernen bilden: Mit einer modernen Ausstattung lernt es sich oft leichter und bequemer.

Praxisbezogene Lehre

Die Ausrichtung an privaten Hochschule und Akademien ist viel praxisorientierter. Die Dozenten kommen oft direkt aus der Wirtschaft, sodass sie aktuelle Tendenzen und Bewegungen direkt an ihre Studierenden weitergeben können. Zudem können sie echte Praxisbeispiele liefern und den Stoff dadurch viel ansehnlicher und verständlicher gestalten. Aber nicht nur die Dozenten, auch der Lehrplan selbst ist durch obligatorische Praxisphasen, Fallbeispiele und Praxisprojekte, die zusammen mit Unternehmen durchgeführt werden, deutlich auf eine Vorbereitung auf das Berufsleben ausgerichtet.

Kontakte knüpfen

Durch die Dozenten, die zum Teil noch in der Wirtschaft aktiv sind, und durch die verschiedenen Praxisprojekte hast du schon im Studium die Möglichkeit, ein Netzwerk aufzubauen und wichtige Kontakte zu knüpfen. Dadurch hast du nach Ende deines Studiums schon einige Ansprechpartner für Bewerbungen. Wenn man dich in den Unternehmen bereits kennt oder dich ein Mitarbeiter weiterempfiehlt, ist das viel Wert.

Was spricht gegen eine private Hochschule?

Studiengebühren

Während öffentliche Hochschulen vom Staat finanziert werden, sind private Anbieter auf die Studiengebühren ihrer Studierenden angewiesen, um die laufenden Kosten für Dozenten, Material und Gebäude decken zu können. Die Studiengebühren solltest du nicht unterschätzen, denn die liegen meistens bei mehreren tausend Euro pro Semester. Insgesamt kann dich das Studium also auch schnell 20.000 Euro kosten. Da bekommt die Studienfinanzierung noch mal einen ganz anderen Stellenwert, denn zu den Studiengebühren kommen ja auch noch mal die „normalen“ Kosten wie Miete, Lebensmittel und Freizeit. Aber: In der Regel ist das Studium das Geld wert, denn du bekommst ja auch einiges dafür geboten.

Auf staatliche Anerkennung achten

Private Hochschulen müssen staatlich anerkannt sein, um akademische Bachelor- und Masterabschlüsse verleihen zu dürfen. Darauf solltest du achten. Denn während (Fach-)Hochschulen in der Regel immer staatlich anerkannt sind, kann es dir bei Akademien passieren, dass du am Ende des Studiums „nur“ ein Zertifikat bekommst. Aber: viele Anbieter, die keine staatliche Akkreditierung haben, kooperieren mit staatlichen Hochschulen. Das bedeutet, dass du einen Teil deines Studiums an der Akademie und einen Teil an der Hochschule absolvierst und die Hochschule dir zum Schluss den Bachelortitel verleiht.


Und was ist jetzt besser?

Wie bei so vielen Dingen, gilt auch hier: Das lässt sich so pauschal nicht sagen. Tatsächlich hängt es von verschiedenen Faktoren und deinen Vorlieben ab, ob du staatlich oder privat studieren solltest: Wie sieht es mit der Finanzierung aus? Welcher Studiengang kommt in Frage für dich? Bist du eventuell an eine Region gebunden? Diese Fragen sind entscheidend, wenn es darum geht, eine Hochschule zu finden. Für deine spätere Karriere macht es in der Regel keinen Unterschied, ob du staatlich oder privat studiert hast.

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