Was ist der NC?

Der NC als Türsteher für das Studium? Manchmal leider ja. Doch wie auch beim Club gibt es immer noch ein paar Alternativen. Wir erklären dir, was der Numerus Clausus ist und welche Möglichkeiten es gibt, wenn deine Abinote nicht zu den besten zählt.

Jeder, der studieren möchte, hat schon von diesem Schreckgespenst gehört: dem Numerus Clausus, kurz NC genannt. Er steht vor den meisten Studiengängen und sorgt dafür, dass nicht jeder, der studieren möchte, zugelassen wird. Doch die wenigsten wissen, was sich genau hinter dem NC verbirgt und wie sich dieser zusammensetzt. Denn der NC ist nicht einfach gleichzusetzen mit der Abinote.


Numerus Clausus

Immer mehr Schulabgänger wollen studieren und strömen an die Unis und Hochschulen. Das hat natürlich Auswirkungen, denn keine Uni kann immer weiter Studierende aufnehmen, irgendwann sind die Kapazitäten voll. Also muss ein Auswahlverfahren her und besonders die staatlichen Hochschulen orientieren sich daher hauptsächlich am NC. Wenn es also mehr Bewerber als Studienplätze gibt, greift der NC als Auswahlkriterium.

Mehr Bewerber als Studienplätze = NC

Das ist es auch, was der Name sagt: Numerus Clausus kommt aus dem Lateinischen und heißt übersetzt ungefähr „beschränkte Anzahl“. Bei mehr Bewerbern als Studienplätzen wird also die Zulassung eingeschränkt. In den beliebten Fächern musst du also damit rechnen, dass du dich nicht einfach einschreiben kannst, sondern erst ein Auswahlverfahren bestehen musst. Beim NC musst du dafür nicht irgendeinen Test schreiben oder zum persönlichen Gespräch erscheinen, stattdessen wird anhand verschiedener formaler Faktoren ausgewählt.


Wie läuft das NC-Verfahren ab?

Zuerst einmal müssen wir mit einer falschen Annahme aufräumen: Denn was viele glauben, was aber eindeutig falsch ist: Der NC ist nicht gleich deiner Abschlussnote!

Stattdessen läuft das Verfahren so ab: Die Hochschulen vergeben einen bestimmten Prozentsatz ihrer Studienplätze (z. B. 80 Prozent) an die Bewerber mit der besten Note, die restlichen Plätze werden an die Bewerber mit den meisten Wartesemestern vergeben. Wie genau die Verteilung aussieht, legen die Hochschulen selbst fest: 60 zu 40, 80 zu 20 oder auch 90 zu 10 Prozent – alles ist möglich.

Eigenes Punktesystem

Dementsprechend stimmt es natürlich, dass du mit einer besseren Note auch bessere Chancen hast, aber du kannst den NC eben nicht mit der Note gleichsetzen. Denn manche Hochschulen haben auch eigene Punktesysteme und gehen nicht einfach nach der Endnote. Stattdessen werden zum Beispiel Punkte für verschiedene Kriterien verteilt: so können manche Noten höher gewertet werden (z. B. Mathe oder Deutsch) und Berufserfahrung bzw. eine Ausbildung oder spezielle Weiterbildungen können ebenfalls positiv in das Endergebnis einfließen.

Wie genau die Hochschule bei der Auswahl vorgeht, legt sie selbst fest. In der Regel findest du genaue Angaben dazu auf der Webseite der Unis.

NC wird erst im Nachhinein erstellt

Der Numerus Clausus lässt sich erst im Nachhinein feststellen, wenn alle Plätze vergeben sind. Denn erst dann lässt sich erkennen, bei welcher Note die Grenze für die Zulassung lag. Es geht also nicht darum, dass die Hochschule im Voraus festlegt, dass alle Bewerber bis einem Notenschnitt von z. B. 2,1 zugelassen werden. Stattdessen werden alle Plätze mit den Bewerbern belegt und erst dann steht fest, welche Note die Grenze gesetzt hat. Du solltest dich also von den NC-Werten der letzten Semester nicht entmutigen lassen. Denn es kann immer sein, dass sich plötzlich weniger Leute auf den Studiengang bewerben und dadurch der NC nach oben geht und du auch mit einer schlechteren Note noch Chancen hast.

Aber natürlich bieten die NC-Werte immer eine gute Orientierungshilfe. Die meisten Unis und Hochschulen veröffentlichen den NC der letzten Semester auf ihrer Homepage. Dort kannst du dir einen Überblick verschaffen


Was sind Wartesemester?

Bei den sehr beliebten Studiengängen wie etwa Jura, Medizin oder Psychologie stehen die Chancen allerdings erfahrungsgemäß sehr schlecht, wenn du nicht mit einem Einser-Abi dienen kannst. In diesen Fällen, aber auch sonst, wenn du die Zulassung über den NC nicht geschafft hast, kannst du es über die Wartesemester versuchen.

Denn wie schon erwähnt, wird ein Prozentsatz der Studienplätze an die Bewerber vergeben, die die meisten Wartesemester haben. Das ist allerdings gerade bei den sehr beliebten Studiengängen häufig nicht sonderlich erfolgversprechend, weil so ein großer Andrang auf das Studienfach herrscht.

Doch was hat es mit den Wartesemestern eigentlich auf sich? Wartesemester kannst du sammeln, solange du nicht irgendwo als Student eingeschrieben bist. Es bringt also nichts, erst einmal ein anderes Fach zu studieren, weil du vielleicht bei Medizin nicht genommen wurdest und dann zu hoffen, dass genug Zeit vergangen ist. Denn solange du eingeschrieben bist, zählst du als Student.

Wenn du allerdings nach deinem Abitur beispielsweise erst noch ein FSJ und anschließend eine Ausbildung machst, wird dir die Zeit als Wartesemester angerechnet. Ein Semester dauert ein Halbjahr, das heißt, pro Jahr kannst du zwei Wartesemester sammeln.

Theoretisch kannst du in der Zeit auch gar nichts machen und einfach nur warten, auch dann sammelst du Wartesemester. Allerdings ist das natürlich nicht sehr empfehlenswert, denn je nach Studiengang kann die Zeit sehr lang werden.


Was ist das Nachrückverfahren?

Bewerber, die nicht sofort zugelassen wurden, können auch noch hoffen, über das Nachrückverfahren zugelassen zu werden. Denn am besten bewirbt man sich direkt an mehreren Hochschulen, damit die Chance steigt, irgendwo einen Studienplatz zu bekommen. Und natürlich haben manche Studenten dabei das Glück, direkt an mehreren Hochschulen zugelassen zu werden. Sie können aber natürlich nur an einer Uni studieren, somit bleibt ihr Platz an den anderen Unis frei und diese Plätze werden noch einmal im Nachrückverfahren vergeben. Wer es also im ersten Durchgang vielleicht knapp nicht geschafft hat, hat im Nachrückverfahren noch einmal eine Chance auf einen Platz.


Wie funktioniert das Losverfahren?

Wenn das Bewerbungsverfahren und das Nachrückverfahren durch sind und es trotzdem noch freie Studienplätze geben sollte, werden diese in der Regel verlost. Es gibt spezielle Homepages, auf denen die freien Restplätze aufgelistet sind, sodass du dich dort informieren kannst, ob für dich etwas dabei ist.

Die Restplätze werden von den jeweiligen Unis selbst verlost, allerdings musst du dich dafür wieder neu anmelden. Das heißt, Bewerbungen, die bei der ersten Bewerbungsrunde bzw. dem Nachrückverfahren leer ausgegangen sind, werden nicht automatisch berücksichtigt. Das ist logisch, denn mittlerweile können die Studierenden ja auch an anderen Unis einen Platz bekommen haben und so kurz vor Studienbeginn will man natürlich nur noch die berücksichtigen, die wirklich noch auf der Suche sind.

Da die Hochschulen ihre Restplätze selbst verlosen, schaust du am besten auf der jeweiligen Hochschulwebseite nach, welche Bedingungen und Anforderungen gestellt werden.

Was ist hochschulstart.de?

Über die Stiftung für Hochschulzulassung (hieß früher Zentralstelle zur Vergabe von Studienplätzen (ZVS)) mit ihrem Portal hochschulstart.de werden vor allem die besonders beliebten zulassungsbeschränkten Studiengänge zentral vergeben. Das bedeutet, nicht die Unis kümmern sich um die Auswahl, sondern Hochschulstart regelt das Bewerbungs- und Vergabeverfahren zentral. Wenn du dich also für Studiengänge im Bereich Medizin oder für Jura oder Psychologie interessierst, kannst du davon ausgehen, dass du dich über hochschulstart.de bewerben musst.

Das Bewerbungsverfahren ist in der Regel etwas komplizierter und umfangreicher als bei Bewerbungen direkt an der Uni, du solltest dich also frühzeitig damit auseinandersetzen.

Hochschulstart vergibt die Plätze nach einer eigenen Quote:

  • 20 % gehen an die Bewerber mit den besten Abiturnoten
  • 20 % gehen an die Bewerber mit den meisten Wartesemestern
  • 60 % werden von den Hochschulen nach eigenen Auswahlkriterien vergeben

Du kannst dabei deine Wunschhochschulen angeben und wirst auch nur bei diesen Hochschulen berücksichtigt. Also keine Sorge: Du landest nicht plötzlich irgendwo, wo du nie hinwolltest.

Insgesamt läuft dieses zentrale Vergabeverfahren aber ganz anders ab als die Bewerbungen direkt an den Hochschulen. Am besten informierst du dich also direkt auf der Seite von Hochschulstart, denn dort ist alles Notwendige genau erläutert.


Studium ohne NC

Dein Abi ist eher durchschnittlich oder sogar eher schlecht ausgefallen, du interessierst dich aber für einen Studiengang, der durch einen NC beschränkt ist? Dann gibt es immer noch ein paar Möglichkeiten, wie du doch noch an dein Traumstudium kommst.

Sei flexibel!

Der erste Schritt sollte immer sein: Informiere dich an verschiedenen Unis und Hochschulen! Während sich die großen und bekannten Unis oft nicht vor Bewerbern retten können und daher eine Auswahl treffen müssen, werden kleinere und weniger zentrale Hochschulen häufig übersehen. Daher kann es sein, dass ein Studiengang an der einen Uni zulassungsbeschränkt ist, an einer anderen aber frei zugänglich ist.

Gerade wenn du nicht mit Bestnoten glänzen kannst, kann es hilfreich sein, flexibel bei der Orts- und Hochschulwahl zu sein.

Private Hochschulen und Akademien

Private Hochschulen bzw. Akademien verzichten oft auf einen NC und wählen ihre Bewerber stattdessen lieber nach einem hochschulinternen Auswahlverfahren und eventueller Eignungsprüfung aus.

Der Nachteil: An privaten Einrichtungen werden Studiengebühren erhoben, sodass die Studienfinanzierung einen neuen Stellenwert erhält. Aber eine Möglichkeit, ohne NC zu studieren, ist es auf jeden Fall!

Erst eine Ausbildung

Je nachdem, was du gerne studieren möchtest, kann es auch hilfreich sein, erst eine Ausbildung zu absolvieren. So sammelst du einerseits Wartesemester, die dir bei deiner späteren Studienbewerbung hilfreich sein können und zudem kannst du dir manchmal die praktische Erfahrung ebenfalls bei der Bewerbung anrechnen lassen.

Außerdem erübrigt sich durch die Ausbildung vielleicht auch dein Studienwunsch, weil dir die Ausbildung letztendlich reicht oder weil du nach deiner Ausbildung zwar noch studieren möchtest, sich aber beispielsweise der Schwerpunkt und dadurch dein Studienwunsch verlagert hat.

Studiengänge ohne NC

Ja, es sind nicht viele, aber es gibt sie: Studiengänge, auf denen es auch an staatlichen Hochschulen keinen NC gibt. Das sind meistens die sogenannten „Orchideenfächer“, die nur einen kleinen Kreis an Interessenten ansprechen, sodass in der Regel alle Bewerber auch zugelassen werden können und keine Beschränkung notwendig ist. Vielleicht hast du also Glück und dein Wunschstudium hat gar keinen NC? Dann nichts wie los mit der Bewerbung!

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