Studieren ohne Abitur

Studieren liegt im Trend. Doch was ist, wenn man kein Abitur hat? Kein Problem, denn immer mehr Menschen beginnen ein Studium auch ohne Abitur. Welche Möglichkeiten du ohne Abi hast, erklären wir dir hier.

Studieren ohne Abitur ist einfacher geworden

Studieren ohne Abitur boomt – mittlerweile nutzen mehr als 51.000 Menschen die Möglichkeit, auch ohne (Fach-)Abi einen akademischen Titel zu bekommen. Seitdem die Kultusministerkonferenz im Jahr 2009 dazu angeregt hat, die Voraussetzungen für einen Hochschulzugang ohne Abitur bundesweit zu vereinheitlichen, haben die Bundesländer nach und nach diesen Vorschlag umgesetzt. Denn es gibt noch mal einen Unterschied, ob du vielleicht „nur“ ein Fachabitur hast oder gar keine Hochschulzugangsberechtigung.

Studieren ohne Abitur ist Ländersache

Eine wichtige Info vorab: Die Voraussetzungen für ein Studium ohne Abitur sind Sache der Bundesländer und dadurch nicht einheitlich geregelt. Das heißt, in Bayern können ganz andere Voraussetzungen gelten als beispielsweise in Brandenburg. Auch der Zeitpunkt der Öffnung der Hochschulen für Nicht-Abiturienten variiert, sodass du je nach Land von mehr Serviceangeboten und Erfahrungswerten profitieren kannst.

So verfügt beispielsweise Niedersachsen über eine jahrzehntelange Erfahrung, da sie bereits in den 1970er-Jahren die Voraussetzungen für Nicht-Abiturienten vereinfacht haben. Brandenburg dagegen hat erst 2014 den Vorschlag der Kultusministerkonferenz umgesetzt und ist daher noch relativ neu dabei und noch nicht so viele Erfahrungen. Dafür hat Brandenburg im Jahr 2015 eine Vorabquote für beruflich Qualifizierte eingeführt, die dadurch sogar Vorteile vor (Fach-)Abiturienten haben.

Bundesweit studieren die meisten beruflich Qualifizierten in Hamburg, gefolgt von Nordrhein-Westfalen. Wichtig ist auf jeden Fall, dass du dich im Vorfeld genau über die jeweiligen Voraussetzungen der unterschiedlichen Bundesländer informierst, damit du weißt, wo was erwartet wird.

Insgesamt gibt es mehre Möglichkeiten, wie du auch ohne Abitur an ein Studium kommen kannst.


Studieren mit Meistertitel oder Aufstiegsfortbildung

Wenn du bereits über einen Meistertitel oder einen gleichwertigen Abschuss verfügst, kannst du dich häufig sofort für jeden Studiengang einschreiben. In manchen Bundesländern wird vorher noch ein Beratungsgespräch gefordert, aber grundsätzlich ist der Weg zum Studium mit einem Meister kein Problem.

Gleichwertige Abschlüsse sind beispielsweise:

  • Fachwirt/in
  • Geprüfte/r Technische/r Betriebswirt/in
  • Geprüfte/r Betriebswirt/in
  • Geprüfte/r Aus- und Weiterbildungspädagoge/-pädagogin
  • Staatlich geprüfte/r Betriebsfachwirt/in

Auch hier kann es je nach Bundesland Unterschiede geben, welche Abschlüsse dem Meistertitel als gleichwertig anerkannt werden.

Zusätzlich befindet sich der Meistertitel mittlerweile im Deutschen und Europäischen Qualifikationsrahmen (DQR/EQ) auf der gleichen Niveaustufe wie der Bachelorabschluss, nämlich Niveau 6 und unterstreicht damit die Gleichwertigkeit von beruflicher und hochschulischer Bildung.


Studieren mit Ausbildung und Berufserfahrung

Mit einer abgeschlossenen Ausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung hast du ebenfalls die Möglichkeit, ein Studium zu beginnen. Allerdings teilt sich diese Option noch mal in zwei Varianten:

Fachverwandte Ausbildung plus Berufserfahrung

Mit deiner abgeschlossenen und anerkannten Berufsausbildung und der dazugehörigen mehrjährigen Berufserfahrung kannst du einen fachverwandten Studiengang studieren. Ob die Ausbildung zwei oder drei Jahre dauern und über wie viele Jahre sich die Berufserfahrung strecken muss, hängt vom Bundesland ab. In der Regel werden zusätzlich zur Ausbildung noch einmal zwei bis drei Jahre Berufserfahrung verlangt. Auch weitere Voraussetzungen sind abhängig vom Land, allerdings ist der Zugang bei dieser Variante ebenfalls relativ problemlos möglich.

Eignungsprüfung

Wenn du eine abgeschlossene Berufsausbildung und mehrjährige Berufserfahrung vorweisen kannst, nun aber einen fachfremden Studiengang studieren möchtest, hast du in der Regel ebenfalls die Möglichkeit dazu. Allerdings musst du in den meisten Bundesländern in diesem Fall eine Eignungsprüfung ablegen, bevor du zum Studium zugelassen wirst.

Für beide Varianten ist es wichtig zu wissen, dass auch die Kindererziehung, die Pflege eines Familienmitglieds oder beispielsweise ein FSJ ebenfalls als Berufserfahrung angerechnet werden kann. 

Probestudium

Manche Bundesländer und Hochschulen bieten ein Probestudium an. Diese Variante gibt es auch manchmal für die Studierenden, die mit einer fachfremden Ausbildung studieren möchten. Beim Probestudium studierst du ganz regulär mit allen anderen mit, musst aber innerhalb von beispielsweise zwei Semestern bestimmte Prüfungen ablegen, um nachzuweisen, dass du im Studium mitkommst und geeignet bist für den Studiengang.


Begabtenprüfung

Es gibt auch die Möglichkeit, an einer Begabtenprüfung teilzunehmen, die dir bei Bestehen ermöglicht, dich für ein Studium zu bewerben. Um an der Begabtenprüfung teilnehmen zu können, gibt es einige Voraussetzungen: Du musst mindestens 25 Jahre alt sein und über mindestens 5 Jahre Berufserfahrung plus einer mind. abgeschlossenen zweijährigen anerkannten Berufsausbildung verfügen oder über 7 Jahre Berufserfahrung bei einer Abschlussprüfung gemäß §40 Abs. 2 des Berufsbildungsgesetzes.

Wenn du die Begabtenprüfung bestanden hast, kannst du dich normalerweise – falls die Hochschule die Prüfung anerkennt – für jeden Studiengang bewerben und bist nicht an irgendwelche bestimmen Fächer gebunden. Aber: Nicht jedes Bundesland bietet diese Möglichkeit der Begabtenprüfung, informiere dich also vorher, ob dein Bundesland dabei ist. Du kannst die Prüfung nur da ablegen, wo du mit deinem ersten Wohnsitz gemeldet bist.

Die Prüfung wird einmal im Jahr von den Regierungspräsidien durchgeführt und du musst dich im Vorfeld dafür bewerben. Die Prüfung besteht aus einem mündlichen und einem schriftlichen Teil.


Alternative: Zweiter Bildungsweg

Natürlich gibt es auch immer noch die altbekannte Methode: das Abitur oder Fachabi auf dem sogenannten zweiten Bildungsweg am Abendgymnasium oder ähnlichen Einrichtungen nachholen und dann ganz „klassisch“ für ein Studium bewerben. Das war noch vor einigen Jahren – bevor der Zugang zur Hochschule für Nicht-Abiturienten vereinfacht wurde - der übliche Weg, es spricht also nichts dagegen, erst noch das Abi nachzuholen. Allerdings dauert diese Möglichkeit natürlich deutlich länger.

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