Lernstrategien

Egal, ob du dich nach deinem Schulabschluss für eine Ausbildung oder Studium entscheidest, um das Lernen wirst du erst mal weiterhin nicht drum herum kommen. Damit es dir etwas leichter fällt, geben wir dir hier einige Tipps für Lernstrategien an die Hand.

Lernen will gelernt sein. Oft verfolgen wir die Lernmethoden, die wir uns mehr oder weniger zufällig in der Schulzeit angeeignet haben – ob sie zu uns passen oder nicht. Nach gescheiterten Prüfungen wird dann einfach die Anstrengung verdoppelt oder das Fach dafür verantwortlich gemacht und man bleibt an der falschen Methode haften. Daher sollte man bei Gelegenheit mal reflektieren, wie man eigentlich lernt und ob dabei vielleicht Verbesserungen möglich sind.


Visuell oder auditiv – welcher Lerntyp bist du?

Zum einen werden vier Lerntypen unterschieden:

  • Auditiver Lerntyp: Du lernst am besten, wenn du Dinge hörst: Hörbücher, Vorträge, lautes Aufsagen/Vorsprechen der Sachverhalte bleiben schnell hängen.
  • Visueller Lerntyp: Du lernst am besten, wenn du das zu Lernende siehst: Filme, Diagramme, Grafiken oder Geschriebenes bleiben dir am besten in Erinnerung
  • Motorischer Lerntyp: Du brauchst praktische Beispiele und/oder etwas Handfestes, um Zusammenhänge oder komplizierte Sachverhalte zu verstehen.
  • Kommunikativer Lerntyp: In Unterhaltungen oder in Zusammenarbeit mit einem oder mehreren anderen Personen kannst du am besten lernen.

Natürlich gibt es auch Mischformen. Vielleicht hast du schon in der Schulzeit herausgefunden, wie der Lernstoff bei dir am besten hängen bleibt. Dann kannst du darauf aufbauen. Falls nicht, solltest du dein Lernverhalten hinterfragen und am besten durch Ausprobieren testen, welcher Lerntyp am ehesten auf dich zutrifft.

Prokrastination vermeiden

Zu wissen, welcher Lerntyp man ist, ist schon einmal die halbe Miete, denn so kannst du dir Methoden und Übungen raussuchen, die zu deinem Typ am besten passen. Aber lernen musst du natürlich trotzdem noch. Sich dazu aufzuraffen, ist die nächste Herausforderung, die du meistern musst.

Überlege dir auch hier, was dir das Lernen erleichtert.

  • Vielleicht helfen dir dabei feste Rituale, z. B. jeden Morgen 15-30 Minuten Vokabeln oder Definitionen lernen.
  • Oder du brauchst eine bestimmte Umgebung: Vielleicht kannst du dich in der Bibliothek besser konzentrieren als zu Hause? Verlege deine Lerneinheiten einfach in die Unibib.
  • Brauchst du feste Termine und den Druck von außen? Dann verabrede dich zu Lerngruppen.

Struktur/Zeitmanagement

Strategien hin oder her – ohne vernünftiges Zeitmanagement hilft auch die beste Lernstrategie nichts. Lernen beruht auf Wiederholung und das Gehirn braucht seine Zeit, bis es diese verinnerlicht hat. Sei ehrlich zu dir und prüfe, wie lange du tatsächlich konzentriert lernen kannst. Von dieser eingeschätzten Zeit solltest du dann nur zwei Drittel konkret verplanen. Wer mehrere Wochen des Lernens vor sich hat, sollte auch nicht unterschätzen, wie lang Einkaufen, Kochen, mit dem Hund raus gehen etc. dauern. Auch solltest du die sozialen Kontakte nicht komplett vernachlässigen. Ein kurzer Plausch bei einem Kaffee mit einem guten Freund kann den Kopf angenehm frei machen und die Motivation langfristig steigern. Nach 1,5-2 Stunden wird das Gehirn müde. Dem kannst du mit einem Snack oder einem kurzen Spaziergang sehr gut entgegenwirken.

Je detaillierter du deine Planung aufstellst, desto genauer kannst du abschätzen, ob und wie stark du überzogen hast und bei Bedarf rechtzeitig die Planung überdenken. Vielleicht legst du dir auch einen Stundenplan für das gesamte Semester an, in dem du deine Veranstaltungen, Nebenjobs, Partys und Prüfungstermine verzeichnest. Weitblick kann hier enorm hilfreich sein.

Fang früh genug an

Keine neue Erkenntnis, aber trotzdem erwähnenswert: Es hilft, sich schon während der Vorlesungen und Seminare mit dem jeweiligen Thema zu beschäftigen. Kann man den Lernveranstaltungen folgen, erleichtert das den Start der Lernphase ungemein, da du nicht erst vor einem scheinbar unüberschaubaren Berg an Material stehst, sondern schon einen guten Überblick über die Inhalte hast. Außerdem kannst du eventuelle Fragen schon während des Seminars stellen und musst nicht erst im Nachhinein in die Sprechstunde des Dozenten.


Methoden

Zum Glück bist du nicht der erste Mensch, der vor einem Wissensberg steht und ihn irgendwie in den Kopf pressen muss. Deine Vorgänger haben sich schon einige praktische Tricks und Eselsbrücken ausgedacht, um Dinge besser behalten zu können. Aber: Sie funktionieren nicht bei allen Gelegenheiten und sollten nach den jeweiligen Erfordernissen angepasst werden.

Locitechnik

Die Locitechnik eignet sich besonders gut für Gliederungen, Reihenfolgen oder Aufzählungen, zum Beispiel die Symptome einer Erkrankung oder geschichtliche Ereignisse. Im ersten Schritt überlegst du dir dabei eine Abfolge von Orten; ob Reiseroute vom letzten Urlaub oder ein Rundgang durch deine Wohnung ist egal. Diesen Weg musst du dir in Gedanken genau einprägen. Jedes Stichwort, das du erlernen musst, assoziierst du nun mit einem Bild auf deiner „Route“ und gehst diese dann Schritt für Schritt ab. Ein Vulkan, den du mal besucht hast, steht beispielsweise für den Kochherd, die Spüle ist ein See und so weiter.

Laut Experten lässt sich so beinahe mühelos eine Reihe von 50 Stichwörtern einprägen. In fünf Minuten lässt sich das Ganze aber auch nicht durchziehen – etwas Vorlauf braucht auch diese Methode, bis sie funktioniert. Aber wenn du dir eine Route eingeprägt hast, kannst du diese immer wieder auch für neue Abfolgen benutzen.

SQ3R-Methode

SQ3R steht für Survey – Question – Read – Recite – Review. Bei dieser Methode gehst du ganz strukturiert an deinen Text heran.

  • Beim Survey betrachtest du das Buch oder den Aufsatz zunächst ausführlich, bevor du einfach mit dem ersten Kapitel loslegst. Untersuche das Inhaltsverzeichnis, um einen Überblick über die Struktur des Textes zu bekommen.
  • Dadurch kommst du zum nächsten Schritt, der Question: Welche Schlüsse lassen sich aus dem Vorwort, Klappentext und den Überschriften ziehen? Werde dir klar darüber, welche Informationen du von dem Text erwartest und notier dir dies in Form von Fragen. Etwa: Wieso liefert die Evolutionslehre eine Erklärung für die natürliche Artenvielfalt? Weshalb stehen Adjektive im Italienischen mal vor und mal hinter dem Hauptwort? Sei dir über das Verhältnis deines übergreifenden Lernthemas und des vorliegenden Textes bewusst.
  • Danach geht es ans Lesen, dem Schritt Read: Du gehst Abschnitt für Abschnitt vor und achtest besonders darauf, was unklar geblieben ist und welche der Anfangsfragen eventuell bereits beantwortet wurden.
  • Anschließend fasst du alles in eigenen Worten zusammen (Recite) und schreibst dir die wichtigsten Aspekte und die Antworten auf die im Vorfeld gestellten Fragen auf. 
  • Bei dem letzten Schritt Review prüfst du schließlich, ob du die Aussagen korrekt zusammengefasst hast und gehst auf unklare Stellen nochmal ein.

Verteiltes Lernen

Bei der Strategie „Verteiltes Lernen“ unterteilst du den Stoff in sinnvolle Abschnitte und wiederholst jeden davon im Laufe der Zeit immer wieder. Wichtig ist dabei, dass du bei den Wiederholungen nicht einfach den Text nochmal liest. Auch in der Wiederholungsphase solltest du den Stoff nochmal kurz durchdenken und dir über die wichtigsten Aspekte nochmals klar werden.

Mindmaps

Mindmaps kennst du wahrscheinlich schon aus der Schule. Sie sind ein einfaches und nützliches Tool zur Visualisierung und Strukturierung des Stoffes. Von der Ausgangsthese oder dem Kern der Sache gehen einzelne Linien zu allen entscheidenden Punkten hin, die für das Thema wichtig sind. Von diesen kannst du dann weitere Unterpunkte ableiten. Theoretisch geht dies bis ins Unendliche, doch irgendwann leidet die Übersicht. Dann empfiehlt es sich, für wichtige Unterbegriffe eigene Mindmaps anzulegen.

Mindmaps sind besonders für den visuellen Lerntyp hilfreich, aber auch andere Lerntypen können davon profitieren, denn die Bildhaftigkeit hilft dabei, sich die Zusammenhänge einzuprägen.


Altbekannte Strategien

Die nächsten Methoden sind wirklich nicht neu, aber trotzdem wirksam, deswegen gehören sie hier in die Liste.

Abfragen lassen und wiederholen

Sich regelmäßig von jemandem abfragen zu lassen, klingt zwar nach alten Schultagen, ist jedoch tatsächlich sehr effektiv und führt einem die eventuellen Wissenslücken nochmals deutlich vor Augen. Forschungen haben ergeben, dass es sogar Sinn macht, sich bereits vor dem Lernen zu dem entsprechenden Thema befragen zu lassen. Scheinbar hilft dir die gedankliche Vorbereitung dabei, später neue Informationen in das bereits Bekannte einzubetten.

Auswendiglernen

Ja, das Auswendiglernen ist und bleibt ein lästiger, aber unvermeidbarer Bestandteil des Lernprozesses. Jedoch solltest du dich davor hüten, einfach Seite für Seite und Absatz für Absatz „abzuhaken“. Wenn du das Gelesene nicht verstehst, bringt es dir nichts, an einem Tag ein komplettes Buch auszulesen. Diese Zeit ist dann mehr oder weniger verloren. Nur was verstanden wird, kann nachher durch Wiederholungen gefestigt werden. Zunächst solltest du deinen Stoff durchdenken und innerlich durchstrukturieren. Hierbei kannst du dir zweier Hilfstechniken bedienen.

  • Reduktive Methode: Bei der reduktiven Methode bewaffnest du dich mit einem Textmarker und machst deine Texte schön bunt. Oder du fertigst eine Skizze bzw. ein Schaubild an. Beides hilft dabei, überflüssige Passagen auszublenden und das Wesentliche in den Fokus zu rücken.
  • Elaboratives Lernen: Das Gegenstück zur reduktiven Methode nennt sich elaboratives Lernen. Dies bedeutet, dass du dem Text selbst Fragen stellst und dort auch nach Antworten oder Beispielen suchst. Oder du überlegst dir, wo du das Erlernte praktisch einsetzen kannst. Das neue Wissen wird so mit dem bereits vorhandenen Wissen verknüpft.
  • Du kannst in einem Mix aus beiden Methoden auch eine eigene Zusammenfassung schreiben. Oder du versuchst, das Erlernte jemandem zu erklären, der von der Materie keine Ahnung hat. Dies ist am Anfang ziemlich schwierig, eignet sich aber perfekt dafür, die eigenen Wissenslücken aufzudecken.

Sich immer und immer wieder das gleiche Wissen einzutrichtern, kann den unangenehmen Nebeneffekt haben, dass das vorher Gelernte dem später Gelernten zum Opfer fällt – oder auch umgekehrt. Daher solltest du nach Möglichkeit immer wieder mal einen kleinen Themenwechsel einbringen, der deinen Fokus auf neue Dinge lenkt und dem Gehirn hilft, klare Grenzen zwischen dem Lernstoff zu ziehen.

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