Was ist ein duales Studium?

Ausbildung oder Studium – du kannst dich einfach nicht entscheiden? Wie wäre es einfach mit beidem? Mit dem dualen Studium ist das kein Problem, denn es vereint die berufspraktische Tätigkeit mit einem passenden Studium. Wir erklären dir hier die genauen Abläufe und Besonderheiten!

Das Angebot an dualen Studienplätzen wächst

Das duale Studium boomt, denn es wird sowohl bei Studierenden als auch bei Arbeitgebern immer beliebter. Vor gut zehn Jahren war das Angebot noch überschaubar, doch mittlerweile gibt es immer mehr duale Studienplätze und auch kleinere Firmen haben die Vorteile für ihr Unternehmen erkannt.

Das duale Studium vereint die Vorteile von Ausbildung und Studium

Aber auch die Studierenden profitieren von einem dualen Studium: Immerhin hat man nach 3-4 Jahren sowohl einen akademischen Abschluss als auch praktische Erfahrung, die einem den Einstieg ins Berufsleben sehr erleichtert. Damit vereinst du die Vorteile beider Ausbildungsformen und hebst dich sowohl von den Azubis als auch von den Studierenden ab. Doch zurück zum Anfang: Was genau versteht man eigentlich unter einem dualen Studium und wie funktioniert das Ganze?

Wenn du dich für ein duales Studium interessierst, wirst du dich wahrscheinlich über verschiedene Begriffe wundern. Denn duales Studium ist nicht gleich duales Studium, je nach Studienmodell können sich einige Details unterscheiden.


Abschluss

Oft wird bei einem dualen Studium damit geworben, dass du am Ende gleich zwei Abschlüsse in der Tasche hast. Doch das ist nicht zwangsläufig der Fall. Stattdessen kommt es darauf an, ob du innerhalb der Praxisphasen auch wirklich einen anerkannten Ausbildungsberuf absolvierst. In dem Fall kommt neben der Bachelorarbeit noch eine weitere Prüfung, z. B. vor der IHK, auf dich zu.

Der Bachelorabschluss (je nach Studiengang entweder Bachelor of Arts oder Bachelor of Science) ist beim dualen Studium allerdings immer enthalten – vorausgesetzt natürlich, du fällst nicht durch. Wenn du also Wert darauf legst, dass du neben dem Bachelor auch noch eine Ausbildung absolvierst, solltest du bei deiner Bewerbung genau darauf achten, um welches Studienmodell es sich handelt und gegebenenfalls beim Unternehmen direkt nachfragen. Damit zeigst du auch, dass du dich tiefergehend mit dem dualen Studium auseinandergesetzt hast.


Welche Studienmodelle gibt es?

Man kann das duale Studium in vier Studienmodelle einteilen:

Praxisintegrierendes duales Studium

Diese Variante ist die wohl häufigste Variante. Dabei bist du – wie in jedem der Studienmodelle üblich – sowohl im Unternehmen als auch für die Theorie an der Hochschule, bekommst am Ende aber „nur“ den Bachelorabschluss und hast nicht noch eine abgeschlossene Berufsausbildung.

Im Gegensatz zur berufsintegrierenden Variante bist du aber während des gesamten Studiums bei dem gleichen Unternehmen und hast so die Möglichkeit, verschiedene Abteilungen auszuprobieren und die Firma von Grund auf kennenzulernen. Der Ablauf unterscheidet sich also eigentlich nicht sonderlich von einem ausbildungsintegrierenden Studium, es fällt eigentlich nur die Berufsschule und damit auch der Ausbildungsabschluss weg.

Berufsintegrierendes duales Studium

Der Unterschied beim berufsintegrierenden Studium ist der, dass du in deinen Praxisphasen das Unternehmen wechselst. So bekommst du viele Einblicke in unterschiedliche Firmen und kannst dir schon einmal ein breit gefächertes Bild vom Arbeitsalltag machen.

Der Nachteil ist, dass du eben auch eher praktikumsartig in den Firmen bist und so immer die Gefahr besteht, dass deine Einblicke ins Unternehmen relativ oberflächlich bleiben. Zudem ist hier insofern ein gewisser Mehraufwand nötig, weil du dir für jede Praxisphase ein neues Unternehmen suchen musst, was bedeutet, dass du dich immer wieder neu bewerben musst.

Es gibt aber natürlich auch Vorteile: Du knüpfst viele Kontakte, die dir beim Berufseinstieg oder deiner späteren Karriere nützlich sein können. Abgeschlossen wird die berufsintegrierende Variante ebenfalls mit einem Bachelorabschluss.

Ausbildungsintegrierendes duales Studium

Bei dieser Variante absolvierst du innerhalb der Praxisphasen eine anerkannte Berufsausbildung und hast bei erfolgreichem Bestehen gleich zwei vollwertige Abschlüsse.
Das ist natürlich ein riesiger Vorteil gegenüber klassischen Studierenden und Auszubildenden, denn damit hast du zwei Ausbildungen in der gleichen Zeit absolviert. Daher ist dieses Modell auch das beliebteste.
Der Nachteil ist, dass diese Variante noch zeitintensiver ist, da du neben der Zeit in der Hochschule und im Unternehmen auch noch in die Berufsschule musst und dadurch noch einmal zusätzliche Zeit zum Lernen einplanen solltest.

Allerdings sind die Angebote für ausbildungsintegrierende Studienplätze relativ rar gesät, der Großteil der dualen Studienplatzangebote wird ohne zusätzliche Ausbildung angeboten. Schau also besser genau nach, wenn du dich irgendwo bewirbst und Wert darauf legst, dass eine Ausbildung enthalten ist.

Berufsbegleitendes duales Studium

Das berufsbegleitende Studium ist eigentlich keine typische Variante des dualen Studiums, es handelt sich viel mehr um ein klassisches berufsbegleitendes Studium, das entweder als Präsenz- oder Fernstudium stattfindet. Allerdings ist der Arbeitgeber hier deutlich mehr integriert und unterstützt den Studierenden zum Beispiel durch eine Freistellung in der Klausurenphase, damit mehr Zeit zum Lernen ist. Denn bei diesem Modell arbeitest du weiterhin Vollzeit im Unternehmen und musst abends und am Wochenende die theoretischen Inhalte lernen – entweder durch Seminare in der Hochschule oder online bzw. im Selbststudium, wenn es zum Beispiel keine passende Hochschule in der Nähe gibt. Dieses Modell schließt du dann ebenfalls mit einem Bachelor ab.


Die Zeitmodelle

Das duale Studium unterscheidet sich nicht nur in den Studienmodellen, sondern auch in den Zeitmodellen. Wir stellen dir hier kurz die unterschiedlichen Varianten vor.

Blockmodell

Beim Blockmodell wechselst du normalerweise quartalsweise zwischen Hochschule und Unternehmen hin und her. Das bedeutet: Drei Monate Praxis, drei Monate Theorie an der Hochschule. Wie lange genau der Zeitraum ist, kann je nach Hochschule unterschiedlich sein, manchmal wechselst du auch alle zwei Monate. Aber grundsätzlich bist du für einen längeren Zeitraum im Unternehmen bzw. der Hochschule.

Der Vorteil: Du kannst dich voll auf einen Bereich konzentrieren und wechselst nicht ständig zwischen Arbeit und Lernen hin und her.

Der Nachteil: Manche Unternehmen kooperieren mit Hochschulen, die an einem anderen Ort sind. In diesem Fall musst du dich um eine Unterkunft kümmern und hast eventuell eine mehrstündige An- und Abfahrt vor dir.

Wochenmodell

Beim Wochenmodell wechselst du innerhalb der Woche zwischen Hochschule und Firma. Dabei sind die Hochschul-Tage festgelegt, sodass du beispielsweise immer dienstags und freitags in die Hochschule gehst und den Rest der Woche im Unternehmen arbeitest. Der Vorteil: Die Woche gestaltet sich sehr abwechslungsreich und du kannst das Erlernte im besten Fall sogar direkt bei der Arbeit anwenden. Der Nachteil: Der stetige Wechsel kann sehr anstrengend sein, denn du musst häufig noch nach Feierabend Hausaufgaben erledigen und für Klausuren lernen.

Fernstudium

Eine weitere Möglichkeit, die aber relativ selten angeboten wird: die Theoriephasen als Fernstudium zu absolvieren. Dabei musst du nicht irgendwo zu bestimmten Zeiten anwesend sein, sondern kannst ganz flexibel lernen, wann es dir am besten passt. Nur für Klausuren und vereinzelte Seminare gilt eine Anwesenheitspflicht. Der Vorteil: Du ersparst dir lästige Fahrtwege zur Hochschule und zurück und kannst dir deine Lernzeit völlig frei einteilen. Der Nachteil: Du bist beim Lernen ziemlich auf dich alleine gestellt, auch wenn es natürlich online Hilfestellungen von Dozenten und Kommilitonen gibt. Aber diese Form kann ziemlich einschüchternd sein, da du ja auch gerade erst ins Berufsleben gestartet bist und gerade zu Beginn deine Praxisphasen im Unternehmen auch noch ziemlich anstrengend sein können.

Du siehst also, jedes Modell hat seine Vor- und Nachteile. Aber in der Regel wird dir sowieso vom Unternehmen und der Hochschule vorgegeben, welches Zeitmodell angewendet wird.


Bewerbung und Voraussetzung

Die Bewerbung für ein duales Studium läuft normalerweise etwas anders ab als für ein klassisches Studium. Denn normalerweise bewirbst du dich zuerst bei einem Unternehmen. Die Unternehmen arbeiten mit kooperierenden Hochschulen zusammen, sodass du in der Regel auch keine Wahl hast, an welche Hochschule du gerne möchtest.

Wenn du deinen Ausbildungsvertrag für ein duales Studium beim Unternehmen unterschrieben hast, bewirbst du dich bei der Hochschule. Normalerweise ist der Vertrag dann schon dein Zulassungskriterium (und natürlich eine Hochschulzugangsberechtigung, also das Abitur), sodass die ganze Bewerbung an der Hochschule eher eine Formsache ist. Doch bei manchen dualen Hochschulen reicht der Vertrag nicht, stattdessen musst du noch einen Eignungstest absolvieren. Erst wenn du diesen bestehst, wirst du zum Studium zugelassen.

Ablauf

Das bedeutet also, dass du dir normalerweise zuerst ein passendes Unternehmen suchst. Viele duale Hochschulen bieten eine Liste mit kooperierenden Unternehmen an, so hast du schon mal einen ersten Überblick über passende Firmen. Zusätzlich wirst du auch in dualen Stellenbörsen fündig. Es gibt allerdings auch den anderen Weg: Du suchst dir erst eine Hochschule und bewirbst dich dort. Im besten Fall hilft dir die Hochschule dann noch dabei, ein Unternehmen zu finden. Gerade beim berufsintegrierenden Studienmodell ist das die übliche Methode.

Und dann gibt es noch die Möglichkeit, dass du dich bei einem Unternehmen bewirbst, dass eigentlich kein duales Studium anbietet, und du es ihnen vorschlägst. Im besten Fall vielleicht auch schon mit einer dualen Hochschule im Hinterkopf, die in Frage kommt. Denn oft helfen die Hochschulen den Unternehmen dabei, ein duales Studium zu konzipieren. Allerdings sind die Erfolgsaussichten natürlich höher, wenn dich das Unternehmen bereits kennt, etwa durch ein Praktikum oder einen Nebenjob.

Die Voraussetzungen für ein duales Studium hängen dementsprechend in erster Linie vom Unternehmen und dem jeweiligen Bereich ab, für den du dich bewirbst. Für ein BWL-Studium können noch einmal andere Voraussetzungen gelten als für ein duales Informatikstudium. In den Stellenausschreibungen der Firmen steht eigentlich immer sehr genau drin, was die Unternehmen erwarten.

Wir haben dir ein paar Anforderungen herausgesucht, die eigentlich immer gefordert werden:

  • Gute Noten: Manchmal in bestimmten Fächern, manchmal aber auch ein bestimmter Abischnitt.
  • Gute Englischkenntnisse
  • Teamfähigkeit
  • Selbstständige Arbeitsweise
  • Motivation

Duales Studium – ja oder nein?

Ein duales Studium hat viele Vorteile: Praxiserfahrung und ein abgeschlossenes Bachelorstudium in der gleichen Zeit wie ein klassisches Studium oder eine Ausbildung helfen dir bei zukünftigen Bewerbungen, um dich etwas von der Masse abzuheben. Zudem bekommst du in der Regel von Anfang an ein Gehalt vom Unternehmen bezahlt, eventuell gibt es sogar noch einige Zusatzleistungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld oder das Unternehmen zahlt die Studiengebühren (zumindest teilweise) für dich. In der Regel ist dem Unternehmen auch viel daran gelegen, dass du nach deinem Abschluss in der Firma bleibst. Das bedeutet, die Chancen für einen festen Job direkt nach deinem Studium stehen sehr gut – oft halten die Unternehmen das sogar direkt vertraglich fest, denn natürlich investieren sie auch viel in ihre dualen Studenten.

Doch man sollte auch die Nachteile nicht außer Acht lassen: Ein duales Studium ist stressig und zeitintensiv. Semesterferien wie im klassischen Studium gibt es nicht, stattdessen arbeitest du in dieser Zeit im Unternehmen.

Je nach Zeitmodell bedeutet auch der Feierabend nicht immer freie Zeit. Denn gerade im Wochenmodell wirst du oft noch nach Feierabend und am Wochenende Hausaufgaben erledigen und für Klausuren lernen müssen. Und natürlich ist das Gehalt eigentlich ein Vorteil und ein erster Schritt in ein selbstständiges Leben, oft fällt das aber gar nicht so hoch aus, vor allem, wenn du davon auch noch Studiengebühren bezahlen musst, Lernmaterial oder die Fahrten zur Hochschule.

Du solltest dir also sehr gut überlegen, ob du die Zeit, Motivation und Disziplin für ein duales Studium aufbringst. Denn stressiger als ein klassisches Vollzeitstudium oder eine Ausbildung ist es auf jeden Fall. Falls das für dich kein Problem ist, ist ein duales Studium aber eine sehr gute Alternative zu den klassischen Ausbildungswegen. Denn Studium und Berufserfahrung gleichzeitig bringt dir einen enormen Vorteil für deine Karriere. Und auch die Unternehmen wissen, dass duale Studierende während ihrer Ausbildung mehr leisten als Vollzeit-Studierende und bewerten dich daher in der Regel auch besser bei Bewerbungen.

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