Aufbau eines Studiums - Bachelor und Master

Wie ist so ein Studium eigentlich aufgebaut und wie läuft es im Allgemeinen so ab? Wir stellen dir hier den üblichen Studienaufbau etwas genauer vor. So weißt du schon vor Studienbeginn, was dich an der Hochschule erwarten wird.

Inhaltsverzeichnis

Nach einer erfolgreichen Bewerbung und der Immatrikulation an der Uni oder Hochschule, kannst du es kaum erwarten, mit dem Studium zu beginnen? Verständlich, denn endlich beginnt ein neuer Lebensabschnitt und man hört immer wieder, dass die Uni-Zeit zu den schönsten im Leben vieler gehört. Wie genau du dir das Studium vorstellen kannst, wollen wir dir hier kurz genauer erläutern.


Bachelorstudium

Der allgemeine Ablauf

In der Regel läuft das Bachelorstudium so ab: In den ersten drei bis vier Semestern findet das sogenannte Grundstudium statt. Dabei werden vor allem allgemeine Grundlagen vermittelt, sodass du eine Basis bekommst, auf der du wissenschaftlich arbeiten kannst. Dadurch lernst du dein Gebiet besser kennen und kannst dir einen Überblick verschaffen, um dir dann bewusst einen (oder auch mehrere) Schwerpunkte auswählen zu können.

Ab dem fünften Semester beginnt dann der Teil des Studiums, der häufig „Hauptstudium“ genannt wird. Dabei geht es dann in die Tiefe, vor allem, wenn du einen ziemlich spezialisierten Studiengang ausgewählt hast. Du kannst aus einer Reihe von Schwerpunkten bzw. Vertiefungen auswählen, was dich am meisten interessiert. Bei den Schwerpunkten solltest du natürlich darauf achten, dass du etwas wählst, dass dir für deine spätere Karriere hilfreich ist. Wenn du in einem BWL-Studium den Schwerpunkt Personal wählst, eigentlich aber gerne in den Vertrieb möchtest, hilft dir das nicht direkt weiter.

Module, Studienverlaufsplan, ECTS – was ist das denn?

Seit der Umstellung auf Bachelor- und Master-Abschlüsse wurden die Studiengänge modularisiert, um sie besser vergleichbar zu machen. Das bedeutet, die Inhalte eines Studiengangs werden in verschiedene thematisch klar definierte Blöcke, die sogenannten Module, aufgeteilt. Diese Module bestehen aus mindestens zwei Veranstaltungen (Seminare, Übungen, Projekte, Vorlesungen etc.), und vermitteln eine gemeinsame Kompetenz. Ein Modul kann sich auch über mehrere Semester erstrecken und muss am Ende mit einer bestimmten Anzahl an Credit Points bzw. ECTS abgeschlossen werden, um bestanden worden zu sein. Manchmal bauen die Module auch aufeinander auf, sodass du erst das eine erfolgreich abgeschlossen haben musst, bevor du das nächste abschließen kannst.

Wie genau die Module abgeschlossen werden, also welche Prüfungsleistung gefordert wird, kann variieren: Von Klausur über Anwesenheit, Protokoll, Referat oder mündliche Prüfung bis Hausarbeit kann alles dabei sein.

Wenn du die Prüfung bestehst, bekommst du neben der Note auch noch eine Anzahl an ECTS – auch Credit Points – verliehen. Die Credit Points sagen nichts über die Note aus, sondern über den Workload, also den Arbeitsaufwand, der mit diesem Modul verknüpft wird. Dazu gehört nicht nur die Stundenanzahl des Seminars, sondern auch die Vor- und Nachbereitung werden dazu gerechnet. Durchschnittlich geht man pro 1 Credit Point (auch Leistungspunkt (LP) genannt) von einem Workload von 25-30 Stunden aus. Wenn du pro Semester also 30 ECTS erreichen sollst, kannst du mit einem Arbeitsaufwand von ca. 750-900 Stunden rechnen.

Welche Module im Studiengang vorkommen, ist im Modulhandbuch festgelegt, dass du in der Regel auf der Homepage der Hochschule findest und woran du dich orientieren kannst. Grundsätzlich setzen sich die Module aus Pflichtmodulen, Wahlpflichtmodulen und Wahlmodulen zusammen.

Die Pflichtmodule musst du – wie der Name auch schon sagt – belegen, um dein Studium zu bestehen. Bei den Wahlpflichtmodulen kannst du innerhalb des vorgegebenen Themenbereichs Seminare wählen, um beispielsweise eigene Schwerpunkte innerhalb deines Studiums zu setzen. Und beim Wahlmodul kannst du interdisziplinär werden und dir auch Seminare aus fachfremden Bereichen aussuchen, um auch mal über den Tellerrand zu gucken.

TIPP: Wenn du dich also für einen Studiengang, aber noch nicht für eine Hochschule entschieden hast, kann es sehr hilfreich sein, im jeweiligen Modulhandbuch nachzusehen, um ein genaueres Bild davon zu bekommen, welche Inhalte und möglichen Schwerpunkte dich erwarten.

Formalitäten

Das Bachelorstudium dauert meistens 6 Semester, es sind aber auch 7 bis 8 Semester möglich – vor allem bei dualen Studiengängen. In der Regel schließt du deinen Bachelor mit 180 ECTS ab. Das heißt, im Schnitt musst du 30 Credit Points pro Semester erreichen. Je länger die Regelstudienzeit ist, desto mehr Punkte hast du am Ende bei deinem Abschluss. Es sind also auch Bachelorabschlüsse mit 210 und in seltenen Fällen sogar 240 ECTS möglich.

Bachelor-Thesis

Im letzten Semester (je nach Studiengangsdauer ist es das 6. oder 7. Semester) schreibst du dann die Bachelorarbeit und hast höchstens noch begleitende Seminare oder ein Kolloquium dazu, aber im Prinzip bist du mit deinem Studium so gut wie fertig.

Wie genau die Bachelorarbeit aussieht, also so Dinge wie Umfang, Layout und Inhalte, hängen immer von der Hochschule und häufig auch vom jeweiligen Dozenten ab. Aber auch der Studiengang und natürlich das gewählte Thema spielen eine Rolle bei den Formalitäten. Normalerweise suchst du dir dein Thema – in Absprache mit deinem betreuunden Dozenten – selbst aus. Gerade in ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen wird die Bachelorarbeit oft praktisch verfasst. Das heißt, du arbeitest mit einem Unternehmen zusammen, hast dort ein Projekt, an dem du mitarbeitest und verfasst auf Grundlage dieser Auswertungen deine Bachelor-Thesis.

Du musst auch keine Angst vor der Bachelorarbeit haben: Im Studium selbst musst du im besten Fall immer wieder Hausarbeiten als Prüfungsleistung verfassen. Diese Arbeiten bereiten dich gut darauf vor, die Bachelorarbeit zu schreiben, die natürlich immer etwas länger ausfällt als die üblichen Hausarbeiten während des Studiums.


Masterstudium

Wenn du dich nach dem Bachelorstudium dazu entschließt, noch ein Masterstudium zu beginnen, hast du wieder eine Vielzahl an Möglichkeiten. Zumindest theoretisch, denn praktisch musst du auf einige Dinge achten.

Welchen Masterstudiengang soll ich wählen?

Normalerweise ist ein Bachelorstudium häufig noch sehr allgemein gehalten, sodass du dich im Master dann darauf aufbauend spezialisieren kannst. Immer mehr Bachelor-Studiengänge sind aber auch schon relativ spezialisiert, beispielsweise Unternehmenskommunikation. Um dich innerhalb dieses Bereiches noch weiter zu spezialisieren, wirst du lange suchen müssen. Wenn du also auch deinen Master in Unternehmenskommunikation absolvierst, wirst du zum absoluten Spezialisten. Das bietet sich vor allem an, wenn du schon zu Studienbeginn weißt, in welche Richtung du nach dem Studium gehen möchtest.

Eine weitere Möglichkeit ist es aber auch, den Bachelor nicht ganz so speziell zu halten, z. B. durch Kommunikationswissenschaft oder Kommunikationsmanagement, um dann im Master speziell auf Unternehmenskommunikation oder Krisen-PR zu gehen.

Aber es ist natürlich auch möglich, sich schon im Bachelor zu spezialisieren, um dann im Master in eine zwar verwandte, aber doch unterschiedliche Richtung zu gehen, z. B. erst in Richtung Personal, um dann im Master in den Bereich Vertrieb zu wechseln. Da es sich bei beiden Studiengängen im Grunde um einen betriebswirtschaftlichen Studiengang handelt, sollte so ein Wechsel kein Problem darstellen und du kannst nach deinem Abschluss direkt zwei Gebiete abdecken.

Du siehst also, dass du im Prinzip alle Möglichkeiten hast – sowohl im Bachelor als auch im Master. Es liegt an dir, wie du vorgehst bei deiner Studienwahl. Wenn du schon zu Studienbeginn sehr sicher bist, in welche Richtung du gehen möchtest, spricht nichts gegen eine direkte Spezialisierung.

Als Empfehlung hört man allerdings regelmäßig, dass man den Bachelor doch erst mal allgemein halten soll (z. B. durch ein BWL-Studium), um sich einen allgemeinen Überblick über das Fachgebiet und die verschiedenen Möglichkeiten zu verschaffen, um dann im Master einen spezielleren Studiengang (z. B. Controlling und Accounting) zu wählen.

Konsekutiver und nicht-konsekutiver Master

Beim Master unterscheidet man zwischen konsekutiven und nicht-konsekutiven Masterstudiengängen:

Konsekutiver Master

Ein konsekutiver Master ist ein Masterstudiengang, der direkt auf dem Gebiet des Bachelors aufbaut. Es ist also eine logische, thematische Reihenfolge. Das bedeutet, du kannst den konsekutiven Master in Vertriebsmanagement zum Beispiel nicht belegen, wenn du im Bachelor Sprachwissenschaft studiert hast und damit in deinem Studium überhaupt kein betriebswirtschaftliches Wissen vermittelt wurde.

Nicht-konsekutiver Master

Ein nicht-konsekutiver oder auch weiterbildender Master ist dementsprechend ein Masterstudiengang, der sozusagen von vorne beginnt und keine Vorkenntnisse in dem Bereich voraussetzt. Es gibt eine ganze Reihe an weiterbildenden Masterstudiengängen, allerdings wird dafür dann in der Regel auch (mehrere Jahre) Berufserfahrung vorausgesetzt.

Welche Probleme gibt es beim Master?

Grundsätzlich kann es nicht schaden, sich schon vor Studienbeginn zumindest mal grob Gedanken darüber zu machen, ob du noch ein Masterstudium absolvieren willst und wenn ja, in welche Richtung es gehen soll. Denn theoretisch ist es durch die Modularisierung kein Problem zwischen den Hochschulen zu wechseln nach dem Bachelorabschluss, praktisch ist das dann häufig doch nicht so einfach.

Zu wenige Masterplätze

Die Anzahl der Studierenden steigt stetig, dementsprechend voll sind viele Studiengänge. Und es gibt normalerweise weniger Masterstudienplätze als Bachelorplätze, sodass es schnell passieren kann, dass du keinen Platz mehr bekommst. Aufgrund der Auswahlkriterien für einen Masterplatz (Abschlussnote, bestimmtes Modul im Bachelor notwendig, bestimmte Anzahl an ECTS in einem bestimmten Modul) ist es häufig der Fall, dass die Bachelorabsolventen der jeweiligen Hochschule eher einen Masterplatz bekommen als externe Bewerber, da die Anforderungen des Masters natürlich auf den Bachelorabschluss an dieser Hochschule ausgerichtet sind.

Bestimmte ECTS-Anzahl in bestimmten Modulen

Um die Masse an Bewerbern für Masterstudiengänge irgendwie auszusieben, gibt es bestimmte Auswahlkriterien. Dazu können auch bestimmte Module gehören, die im Bachelor abgelegt worden sein müssen. Wenn du diese Module aus deinem Bachelorstudium nicht vorweisen kannst, hast du erst mal ein Problem. Denn dann musst du diese Punkte noch irgendwie nachholen. Oder dich an einer anderen Hochschule bewerben.

Hochschulwechsel

Dieser Punkt geht quasi einher mit den Modulanforderungen. Denn theoretisch ist es durch die Modularisierung kein Problem zwischen den Hochschulen zu wechseln – nicht mal mehr zwischen Fachhochschule und Universität. Praktisch scheitert ein Wechsel aber oft an den Voraussetzungen, die für die jeweiligen Masterstudiengänge gelten. Denn wenn bestimmte Module gefordert werden, die an deiner bisherigen Hochschule nicht Teil des Lehrplans waren, hast du als Bewerber deutlich schlechtere Chancen auf einen Studienplatz.

180, 210 oder 240 ECTS im Bachelor?

Einige Masterstudiengänge sind verkürzt und haben daher als Anforderung eine höhere Zahl an Credit Points als die üblichen 180 ECTS. Auch hier gilt: Wenn du „nur“ 180 Punkte aus dem Bachelor hast, der Master aber 210 fordert, bleibt dir nichts anderes übrig, als die Punkte durch ein weiteres Semester nachzuholen. Viele Hochschulen bieten für diesen Fall mittlerweile sogenannte Pre-Semester an, in denen du fehlende Punkte nachholen kannst.

Formalitäten

Für ein Masterstudium brauchst du ein abgeschlossenes Bachelorstudium – je nach Master in einem fachverwandten Bereich – mit mindestens 180 ECTS. Denn die meisten Masterstudiengänge dauern 4 Semester (120 ECTS). Es gibt aber auch immer mehr Angebote, für die man 210 oder sogar 240 ECTS aus dem Bachelorstudium benötigt. Es lohnt sich also, sich die Voraussetzungen ganz genau anzusehen, denn je nachdem musst du noch ein Semester nachholen, um auf die nötigen Credit Points zu kommen. Am Ende deines Masterstudiums hast du insgesamt 300 ECTS.

Master-Thesis

Genauso wie im Bachelorstudium wird auch die Master-Thesis im letzten Semester geschrieben. Dabei hast du ebenfalls nicht mehr viele oder auch gar keine Seminare mehr, sondern kannst dich ganz auf das Schreiben konzentrieren. Der Umfang und die Gestaltung sind in der Regel von der Hochschule, dem Institut oder dem Dozenten vorgegeben. Das Thema suchst du dir in der Regel in Absprache mit dem betreuenden Dozenten selbst aus.

Wie viel Prozent die Masterarbeit von deiner Abschlussnote ausmacht, kann variieren: bei manchen macht sie ein Viertel der Note aus, bei anderen sind für die Master-Thesis nur ein paar ECTS vorgesehen.

War dieser Text hilfreich für dich?

Bewerte diesen Text als Erste/r

Schließen

Alle Fachbereiche auf einen Blick findest Du unter: www.das-richtige-studieren.de

Schließen

Alle Fachbereiche auf einen Blick findest Du unter: www.das-richtige-studieren.de