Universität oder Fachhochschule

Es kann einen Unterschied machen, wo du studierst – und damit ist nicht nur der Ort oder eventuelle Schwerpunkte der Hochschule gemeint. Nein, Universität, Fachhochschule und Akademie unterscheiden sich grundsätzlich in einigen Punkten. Wir geben dir hier alle Infos zu den unterschiedlichen Hochschultypen.

Wer studieren möchte, denkt häufig erst mal an eine Universität, denn das ist der klassische Weg. Doch es gibt noch mehr Möglichkeiten, an denen du ebenfalls studieren kannst: Fachhochschulen und Akademien bieten ebenfalls ein breit gefächertes Studienangebot an, du solltest deinen Suchradius also erweitern, wenn du auf der Suche nach einem bestimmten Studiengang bist. Gerade Akademien und private Hochschulen bieten oft spezialisiertere Studiengänge an als Unis.

Eins müssen wir aber zu Beginn klarstellen: Die ganz großen Unterschiede zwischen Uni und Fachhochschule gibt es seit dem Bologna-Prozess – also seit der Umstellung auf Bachelor- und Master-Abschlüsse – nicht mehr. Die beiden Hochschulformen gleichen sich immer mehr an, sodass es zwar weiterhin kleinere Unterschiede gibt, viele ursprüngliche Punkte aber nicht mehr so ins Gewicht fallen wie z. B. noch vor 15 Jahren.


Studium an einer Universität

Die Universität gilt für viele als DER Ort, um zu studieren, da es sich dabei um die höchste Bildungseinrichtung in Deutschland handelt. Ursprünglich standen Universitäten nur Abiturienten offen, mittlerweile ist es aber auch möglich, ohne Abitur an einer Uni zu studieren. Die Voraussetzungen dafür sind auf Länderebene geregelt, das heißt, je nach Bundesland unterscheiden sich die Anforderungen. Allerdings ist es immer noch nicht möglich, alle Studiengänge ohne Abitur zu studieren, denn z. B. Medizin oder Jura verlangen weiterhin ein Abitur.

Wissenschaft im Fokus

Ansonsten steht bei Universitäten die Wissenschaft im Fokus, das heißt, es wird viel Wert auf die Lehre und die Forschung gelegt und die vermittelten Inhalte sind eher theoretisch gehalten. Doch auch hier haben sich die alten Muster im Laufe der Zeit angepasst. Waren praktische Erfahrungen noch vor einigen Jahren an Universitäten nicht im Studienplan vorgesehen, wissen heutzutage auch die Unis um die Wichtigkeit von Praxiserfahrungen schon im Studium, sodass in vielen Studiengängen ein Pflichtpraktikum vorgesehen ist und je nach Möglichkeit auch praktische Übungen mit Experten aus der Praxis angeboten werden. Trotzdem gilt weiterhin: Wer auf der Suche nach viel Praxis ist, ist an einer Uni nicht optimal aufgehoben.

Seit der Umstellung auf die Bachelor- und Masterabschlüsse haben sich die Stundenpläne etwas geändert, denn das ganze Hochschulsystem ist verschulter geworden und die Wahlmöglichkeiten sind nicht mehr so vielfältig wie früher. Trotzdem hast du in der Regel an einer Universität immer noch eher die Möglichkeit, dich durch gezielte Seminarwahl je nach Interesse innerhalb deines Faches zu spezialisieren.

Falls du wirklich eine wissenschaftliche Karriere planst und gerne in die Forschung möchtest, ist eine Universität auf jeden Fall eine gute Wahl, denn dort hast du die Möglichkeit, einen Doktorgrad zu erlangen. Aber auch hier gilt: Seit dem Bologna-Prozess, also der Umstellung auf Bachelor- und Master-Studiengänge, gleichen sich Unis und Fachhochschulen immer mehr an und mittlerweile ist es (zumindest theoretisch) auch mit einem Hochschulabschluss möglich, an einer Uni zu promovieren.

Und wo ist die Kehrseite?

Aber es gibt natürlich auch Nachteile an Universitäten: Die Studiengänge sind häufig viel größer, sodass das ganze Studium sehr anonym ablaufen kann und du schnell in der Masse untergehen kannst. Um aufzufallen, musst du dich auf jeden Fall mehr anstrengen als an Akademien oder dergleichen.


Studium an einer (Fach-)Hochschule

Zuerst einmal eine Info vorweg: Hieß diese Form damals immer Fachhochschule, lassen sehr viele Hochschulen mittlerweile das „Fach“ weg und nennen sich nur noch Hochschule bzw. auf Englisch University of Applied Sciences. Damit wollen die Fachhochschulen die Angleichung an Universitäten noch einmal mehr verdeutlichen. Denn vor der Umstellung auf Bachelor- und Masterabschlüsse wurde zwischen Uni- und FH-Abschluss unterschieden, indem hinter dem Diplom ein „(FH)“ stand, wenn der Abschluss an einer Fachhochschule gemacht worden ist. Beim Bachelor und Master gibt es nun keinen Unterschied mehr zwischen Uni und Hochschule, die Abschlüsse werden gleich gewertet.

Angewandte Forschung

Normalerweise ist die Lehre an Fachhochschulen praktischer ausgerichtet als an Unis. Aber auch hier muss man sagen, dass sich die Lehre durch den Bologna-Prozess immer weiter angleichen und die Unterschiede nicht mehr so groß sind. Aber auch weiterhin wird besonders an privaten Hochschulen häufig mit Dozenten aus der Wirtschaft zusammengearbeitet, die also direkt aus der Praxis berichten können und die Themen dadurch deutlich anschaulicher vermitteln können. Gleichzeitig können die Studierenden dadurch auch schon einmal wichtige Kontakte für die spätere Karriere knüpfen. Der Fokus liegt an Hochschulen also eher auf der angewandten Forschung.

Ein weiterer Vorteil an Fachhochschulen war die Möglichkeit, auch mit einem Fachabitur studieren zu können. Seitdem aber immer mehr Möglichkeiten für ein Studium ohne Abitur entstehen, ist dieser Vorteil nicht mehr ganz so groß zu gewichten.

Zudem sind die Seminargrößen oft viel kleiner als an Unis, sodass die Atmosphäre etwas persönlicher ist und die Dozenten ihre Studierenden schneller kennenlernen als in Gruppen von 80 Leuten.

Und wo ist die Kehrseite?

Ursprünglich war der Stundenplan an den Fachhochschulen viel strenger vorgegeben als an Universitäten. Der Vorteil daran: Die Studierenden müssen sich deutlich weniger selbst organisieren, der Unterschied zur Schule ist nicht allzu groß. Der Nachteil daran: Es gibt viel weniger Möglichkeiten, individuelle Schwerpunkte im Studium zu setzen und eigenen Interessen nachzugehen. Doch auch an Universitäten ist diese Wahlmöglichkeit durch die Modularisierung der Studiengänge im Bachelor und Master stark eingeschränkt worden, sodass dieser Punkt kein Alleinstellungsmerkmal der Fachhochschulen mehr ist.


Studium an einer Akademie

Den größten Unterschied in den Hochschultypen bilden die privaten Akademien, die allerdings sehr häufig nicht staatlich anerkannt sind und daher auch keinen akademischen Bachelor- oder Master-Abschluss verleihen dürfen. In diesem Fall kooperieren die Akademien in der Regel mit staatlichen Hochschulen, von denen du dann am Ende deines Studiums den Bachelortitel verliehen bekommst.

Wichtiger Punkt: Die Finanzierung

Da diese Akademien nicht staatlich sind, finanzieren sie sich allein über ihre Studierenden – das heißt, die Akademien erheben Studiengebühren, um ihre Kosten decken zu können. Diese Gebühren können sich insgesamt auch schon mal auf 20.000 Euro belaufen – das Thema Studienfinanzierung spielt hier also noch einmal eine viel größere Rolle als an staatlichen Unis und Fachhochschulen.

Dabei kommt es auch weniger auf einen NC bei der Bewerbung an. Stattdessen gibt es häufig ein hochschulinternes Auswahlverfahren, das je nach Hochschule variieren kann und das mehr Wert darauf legt, den Bewerber persönlich kennenzulernen und so einschätzen zu können, ob das Studium und die Hochschule passend für den Studieninteressenten sind. Wer also im Abi nicht so gut abgeschnitten hat und daher an staatlichen Hochschulen in NC-Fächern daher nicht so gute Aussichten hat, der hat an privaten Akademien auf jeden Fall noch Chancen.

Das Studium kostet also Geld, dafür bekommt man in der Regel aber auch einen Mehrwert gegenüber Unis. Denn die Studiengruppen sind sehr klein, daher ist das Verhältnis zwischen Studierenden und Dozenten sehr persönlich, jeder kennt jeden. Dadurch hast du es auch leichter, Anschluss zu finden, denn du verbringst nahezu jedes Seminar mit den gleichen Leuten.

Durch die kleinen Gruppen ist auch die Lernatmosphäre deutlich besser, denn bei Problemen kann man schnell nachfragen. Auch die Ausstattung der Hochschule ist meist deutlich moderner: neueste Technik, aktuelles Lehrmaterial und freundlich eingerichtete Seminarräume sorgen dafür, dass das Lernen zumindest etwas mehr Spaß macht.

Und wo ist die Kehrseite?

Der Nachteil an Akademien: Zum einen natürlich die Studiengebühren. Auch wenn man dafür sehr gute Lernbedingungen bekommt, muss man das Geld erst mal haben.
Außerdem ist nicht viel Platz für eigene Interessensbildungen abseits des Stundenplans, denn dieser ist ganz klar vorgegeben. Natürlich kann man Schwerpunkte wählen, aber auch innerhalb dieser Schwerpunkte gibt es nur feste Seminare.

Berufsakademien

Und dann gibt es natürlich noch die Berufsakademien, die normalerweise bei dualen Studiengängen zum Tragen kommen und an denen der Theorieteil stattfindet. Diese Berufsakademien können durchaus auch staatlich bzw. staatlich anerkannt sein und dir daher auch einen Bachelortitel verleihen.


Und welche Hochschule soll ich jetzt wählen?

Nachdem du die einzelnen Hochschultypen jetzt kennst, liegt es leider an dir, die endgültige Entscheidung zu treffen. Alle Typen haben ihre Vor- und Nachteile und ihre speziellen Eigenheiten.

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Alle Fachbereiche auf einen Blick findest Du unter: www.das-richtige-studieren.de

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