Ausbildung oder Studium?

Keine leichte Frage

Ausbildung oder Studium – Was passt zu dir?

Die Schulzeit ist zu Ende und jetzt steht man vor der ersten großen Frage: Ausbildung oder Studium? Es gibt keine allgemeingültige Antwort, sondern immer nur eine individuell für dich passende Lösung.

Lass dich nicht von Halbwahrheiten beeinflussen

Zuerst räumen wir mit ein paar Vorurteilen auf, denn auf dem Schulhof und auch bei Eltern sind viele Halbwahrheiten unterwegs, die du richtig einschätzen solltest. Wir gehen übrigens davon aus, dass du die Fachhochschulreife oder das Abitur hast und somit beide Optionen zur Auswahl.

Ausbildung

Vorurteil: „Azubis sind dümmer als Studenten“
Das ist totaler Quatsch. Wer sich z.B. für eine Bankausbildung entscheidet, muss schnell im Kopf sein und hat sehr anspruchsvolle Ausbildungsinhalte. Da kann dann auch so mancher Student nicht mithalten.

Vorurteil: „Nur mit einem Studium macht man Karriere“
Das ist nicht falsch, aber auch nicht richtig. Fakt ist: Wer Spaß an seinem Beruf hat und mit der richtigen Einstellung zu Werke geht, wird auf der Karriereleiter nach oben steigen. Natürlich gibt es öfters eine Karrierestufe, ab der meist nur noch Akademiker (also studierte Leute) weiter aufsteigen, aber wer weiß, ob du da überhaupt hinkommst bzw. hinkommen willst? Und du darfst auch nicht vergessen, dass man neben oder nach der Ausbildung ja auch noch Studium absolvieren könnte.

Vorurteil: „Azubis sind faul“
Auch Quatsch. In der Ausbildung stehst du jeden Tag früh auf und hast einen ganz normalen Arbeitstag. Von faul sein kann da gar keine Rede sein.

Studium

Vorurteil: „Mit Abi muss man doch studieren“
Muss man nicht. Es gibt viele Abiturienten, die handwerklich total geschickt ist und mit den theoretischen Inhalten im Studium nicht viel anfangen können. Dann führt das Studium nur zu Frust und eine Ausbildung wäre der bessere erste Schritt gewesen.

Vorurteil: “Nach dem Studium wird man eh nur Taxifahrer“
Oft werden Leute, die ausgefallenere Studiengänge studieren wollen, mit solchen Vorurteilen konfrontiert. Der Spruch zeugt aber nur von Ahnungslosigkeit. Was dennoch stimmt: Wer im Studium keine Praktika macht oder Kontakte zu Firmen knüpft, wird es beim Berufseinstieg schwerer haben.

Vorurteil: „Bei einer Ausbildung verdienst du wenigstens von Anfang an Geld“
Das stimmt. Aber teilweise sind die Ausbildungsgehälter recht gering, reich wird man also sowieso erstmal nicht.

Das sagen Studenten und Azubis

„Ich habe vor meinem Studium (notgedrungen) eine Ausbildung angefangen, weil ich einfach nicht wusste, was ich machen soll. Es war eine kaufmännische Ausbildung und da ich danach noch ein wenig in der Firma gearbeitet habe, habe ich auch schon ein wenig „Arbeitserfahrung“. Dadurch gehe ich viel entspannter durchs Studium. Nicht nur, weil ich weiss, dass ich ohne weiteres wieder anfangen könnte, zu arbeiten, sondern weil ich einiges in meiner Ausbildung gelernt habe, welches ich in meinem Studium anbringen kann.

Viele Kommilitonen beneiden mich, da ich durch diese Erfahrung und Referenzen eine viel bessere Chance habe, gleich nach dem Studium einen Job zu bekommen und mich nicht von einem Praktika zum nächsten schleppen muss.

Obwohl die Ausbildung nicht unbedingt die schönste Zeit meines Lebens war, würde ich es immer wieder machen!“

„Lern erstmal etwas Solides“

vs.

„Ohne Studium hat man es im Berufsleben schwer“

Wenn es um die Entscheidung „Ausbildung oder Studium“ geht, gibt es kein Richtig oder Falsch. Es ist oft Ansichtssache. So empfehlen Eltern, die selber eine Ausbildung gemacht haben, ihren Kindern meistens auch eine Ausbildung zu machen. Und studierte Eltern raten ihren Kindern zu einem Studium. Warum? Ganz einfach – weil der Blick über den Tellerrand fehlt. Gut, dass du es anders machen kannst und die vorurteilsfrei mit Ausbildung oder Studium auseinandersetzen kannst

  • Als Azubi verdienst du vom 1. Lehrjahr an ein eigenes Gehalt. Das ist zwar meist nicht besonders viel, aber es hilft, auf eigenen Beinen zu stehen. Und ein bisschen stolz macht es auch.
  • Ein Großteil der Azubis wird nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung auch direkt vom Unternehmen übernommen. Wer Spitzenleistungen bringt, braucht sich kaum Sorgen machen.
  • Eine Ausbildung ist optimal für handwerklich und technische geschickte Leute; also für alle, die praktisch veranlagt sind und nicht so gerne stundenlang aus Büchern lernen.
  • Eine Ausbildung ist eine gute Möglichkeit, erstmal in die Berufswelt hineinzuschnuppern. Während der Ausbildung lernt man viele Berufe in einem Unternehmen kennen und kann dann nach Ausbildungsende immer noch studieren. Dann aber auch genau den Bereich, der einen interessiert.
  • Unter Akademikern gibt es die geringste Arbeitslosenquote.
  • Im Laufe eines ganzen Berufslebens verdient ein ehemaliger Student mehr als jemand, der eine Ausbildung abgeschlossen hat. Aber: Wer eine Ausbildung und passende Weiterbildungen gemacht hat, kann in bestimmten Bereichen nahezu gleich verdienen.
  • Wer handwerklich nicht geschickt ist, sondern viel besser mit Zahlen, Daten und Fakten umgehen kann, ist bei einem wissenschaftlichen Studium wahrscheinlich besser aufgehoben.
  • Die ganz große Karriere bis auf den Chefsessel ist meist nur für Akademiker möglich. Dazu wird dann oft sogar eine Promotion (der Doktortitel) verlangt.

Lebensverdienst nach Abschluss

  • Uni-Abschluss
  • FH-Abschluss
  • Ausbildung

Und wie entscheide ich mich jetzt zwischen Ausbildung oder Studium?

Ganz einfach: Indem du sorgfältig recherchierst und deine Interessen ehrlich hinterfragst. Ein Studium ist nicht immer der Königsweg (pro Jahr brechen 70.000 Studenten ab), genauso wie eine Ausbildung nicht für jeden in Frage kommt.

Diese zwei Fragen solltest du dir stellen:

  • Was für ein Lerntyp bin ich? Kann ich stundenlang im Hörsaal sitzen und viel aus Büchern lernen? Oder muss ich praktisch lernen?
  • Welche Fähigkeiten und Talente habe ich eigentlich? Wie stelle ich mir meine Zukunft vor? Als Hebamme? Als Arzt? Als Dachdecker oder Investmentbanker? Je nach Berufswunsch gibt es unterschiedliche Wege, wie man den Traumberuf erreicht.

Viel wichtiger ist es aber, sich zu informieren. Und zwar bei den Unternehmen, die Ausbildungen anbieten und bei den Hochschulen, die passende Studiengänge anbieten. Daher solltest du unbedingt Studien- und Azubimessen besuchen und nicht zögern, an den Messeständen mit den Personalmanagern zu sprechen. Die sind genau dafür da, dir bei der Berufsentscheidung zu helfen.

Und ein weiterer guter Ansprechpartner ist die Agentur für Arbeit. In den Berufsberatungszentren wird einem sehr gut weitergeholfen und man kann sich unabhängig beraten lassen.

Hier gibts Infos

„Ich kann mich nicht beraten lassen“ ist keine Ausrede. Hier gibt es die besten Anlaufstellen, wenn du dich für Ausbildung oder Studium interessierst.

Studien-/ Berufsmessen

In ganz Deutschland finden jährlich zahlreiche Studien- und Berufsmessen statt. Dort kannst du dich direkt mit Hochschulen und Firmen über die Studiengänge und Ausbildungen unterhalten.

Infos: www.einstieg.com, www.azubitage.de, www.stuzubi.de, www.vocatium.de, www.studyworld.de

Agentur für Arbeit

Die Agentur für Arbeit bietet in ganz Deutschland unabhängige Berufs- und Studienberatungen an, die du kostenlos nutzen kannst.

Lass dich von der etwas kompliziert gestalteten Webseite nicht aufhalten und vereinbar am besten einen Termin.

„Meiner Meinung nach ist es am günstigsten, zunächst eine Ausbildung zu machen. Wenn Du dann merkst, dass Dir das nicht reicht, kannst Du hinterher immer noch studieren und hast sogar schon Vorkenntnisse (wenn Du in der Branche bleibst). Aber Du hast auf jeden Fall erstmal einen Beruf und damit etwas in der Hand.“

„Ich rate von einer Ausbildung vor dem Studium ab.

Zieht lieber das Studium mit vielen erfolgreichen Praktika und einem Auslandssemester und guten Noten durch. Dann sollte man nach Studienende einen guten Job finden und hat gute Karrierechancen.“