Was kommt nach dem Studienabbruch?

Viele Studenten machen sich Selbstvorwürfe oder fühlen sich als Versager, wenn sie ihr Studium vorzeitig beenden (müssen). Dabei besteht hierfür überhaupt kein Grund. In vielen Bachelor-Studiengängen liegt die Abbrecherquote bei ca. 30 %. Und durchschnittlich entscheiden sich 25% für eine Beendigung ihres Studiums. Mindestens jeder Vierte überlegt es sich im Laufe seines Studiums also noch einmal anders.

Es gibt natürlich unterschiedliche Gründe für so eine Entscheidung:

  • Das Studienfach gestaltet sich anders als vorgestellt.
  • Die Entscheidung für dieses Fach war einfach nur vorschnell und unüberlegt.
  • Die Interessenslage hat sich geändert.
  • Private Gründe zwingen einen zum Abbruch.
  • Die Ansprüche, die gestellt werden, sind doch zu hoch.
  • Eine Exmatrikulation wegen nicht bestandener Klausuren.
  • u.s.w.

Zuerst gilt einmal: Nur nicht den Kopf hängen lassen.

Deine Entscheidung – auch wenn sie dir vielleicht durch eine Exmatrikulation abgenommen wurde – war genau richtig. Du hast dich dazu aufgerafft, den zuerst eingeschlagenen Weg zu revidieren. Allen Respekt für deinen mutigen Entschluss! Nun kannst du dir in Ruhe überlegen, was du stattdessen machen möchtest.

Der folgende Text gibt dir Tipps, was du nach einem Studienabbruch beachten musst (zum Beispiel BAföG) und welche Chancen es für dich gibt. Weiterhin bekommst du viele Ratschläge, wie du Personalern deine Entscheidung positiv vermitteln kannst.

Nach einem Studienabbruch hast du viele Möglichkeiten:

  1. Du kannst dir ein anderes Fach aussuchen, was deinen Interessen mehr entspricht.
  2. Eventuell hilft dir eine kleine Auszeit, dir über deine Wünsche klar zu werden; Stichwort Ausland: Viele Möglichkeiten, diese „Lücke“ sinnvoll zu nutzen, findest du auf http://www.auslandsaufenthalt.org/auslandsaufenthalt.php
  3. Du kannst dein Studium an einer anderen Uni weiterführen, falls interne Gründe die Ursache für deine Entscheidung waren.
  4. Vielleicht möchtest du auch lieber jobben und dich über ein Fernstudium beruflich qualifizieren.
  5. Wenn private Gründe, wie zum Beispiel eine Schwangerschaft, die Ursache für deine Entscheidung waren, kannst du dein Studium nach einer gewissen Zeit wieder aufnehmen.
  6. Es kann natürlich auch sein, dass du gemerkt hast, dass das Studentenleben nichts für dich ist. In diesem Fall wäre eine Ausbildung sicherlich das Richtige.

Erläuterungen

Zu 1.:
Als Schulabgänger weiß man meistens noch gar nicht so genau, welchen Beruf man eigentlich ergreifen möchte. Du hast dich vielleicht an Freunden oder Eltern orientiert, als du dir dein Studienfach ausgesucht hast. Diese Entscheidung hat sich nun als falsch erwiesen und du hast die nötigen Konsequenzen daraus gezogen. Respekt vor deiner Entscheidung. Im günstigsten Fall weißt du nun, was du lieber studieren möchtest. Wenn du dir noch nicht im Klaren darüber bist, hol dir Rat beim ASTA oder informiere dich im Netz, welcher Beruf dich interessieren könnte.

Zu 2.:
Nutze die Zeit, welche dir jetzt zur Verfügung steht, sinnvoll. Du kannst natürlich erst einmal chillen, um dich vom Stress des Studiums zu erholen. Während dieser Zeit sind vielleicht auch studienferne Tätigkeiten wie Jobben oder Reisen oder eine Kombination aus Beidem angesagt. Auch Entspannungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel Yoga, sind eine gute Option, um erst einmal wieder runterzukommen. Du kannst in dich gehen und dich auch von äußeren Dingen oder anderen Menschen inspirieren lassen.

Zu 3.:
Vielleicht haben dich ja Uni-interne Gründe gestört, so dass ein Wechsel in eine andere Stadt sinnvoll wäre. Andere Professoren, neue Mitstudenten und überhaupt; veränderte Rahmenbedingungen können schon viel zu einer verbesserten Lernatmosphäre beitragen. Informiere dich einfach über die Bedingungen eines Ortswechsels bei der zuständigen neuen Universität.

Zu 4.:
Geld zu verdienen, ist natürlich verlockend. Wenn du genug hast vom ewigen „Nur-Lernen“ und lieber endlich mehr Geld in der Tasche haben möchtest, ist die Kombination aus intensiv Jobben und einem Fernstudium vielleicht das Richtige für dich. Wenn du diszipliniert genug bist, nach einem langen Arbeitstag noch zu lernen, ist so eine Möglichkeit natürlich ideal.
Du bestimmst selber dein Lerntempo und kannst nebenbei praktische Erfahrungen im Berufsleben sammeln. Eine Gefahr ist natürlich, dass du dich so an das „einfache“ Geldverdienen gewöhnst, dass du gar keine Lust mehr hast zu studieren.

Zu 5.:
Oft spielen private Gründe eine Rolle für den Studienabbruch. Eine Schwangerschaft, eine längerfristige Krankheit oder auch familiäre Bedingungen sind zwar triftige Argumente für eine Unterbrechung des Studiums, aber kein Grund, um das Studium endgültig an den Nagel zu hängen. Während deiner Auszeit kannst du dich ja bemühen, den Kontakt zu deinen ehemaligen Kommilitonen nicht einschlafen zu lassen, um am Ball zu bleiben.

Zu 6.:
Für viele ist klar, dass sie nach dem Abi studieren wollen. Das muss aber nicht zwangsläufig so sein. Wenn du nach ein paar Semestern gemerkt hast, dass ein eher chaotisches Studentenleben eigentlich doch nichts für dich ist, kannst du deine Entscheidung immer noch revidieren. Viele Berufe sind auch ohne eine akademische Laufbahn erlernbar. Eine Ausbildung ist vielleicht eine wirkliche Alternative für dich. So eine berufliche Laufbahn ist wesentlich strukturierter, und du bekommst sofort einen Einblick in die Berufspraxis.

Das war nur eine kleine Übersicht der wichtigsten Optionen – wahrscheinlich fallen dir noch mehr Möglichkeiten ein.

BAföG ist für viele Studenten ein wichtiges Thema:

Ob du nach dem Studienabbruch noch Anspruch auf eine weitere Unterstützung hast und wenn ja, für wie lange und in welcher Höhe, hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Du solltest dich auf jeden Fall zuerst bei der zuständigen Behörde melden und deinen „Fall“ schildern.
  • Es ist grundsätzlich möglich, fortlaufende BAföG-Zahlungen für das Folgestudium zu erhalten. Allerdings werden die Zuschüsse für das Erststudium auf das neue Studium angerechnet.
  • Es kann sein, dass nach der Regelstudienzeit das halbe Darlehen zu einem Volldarlehen umgewandelt wird.
  • Es ist auch unerheblich, ob du während deines Erststudiums BAföG erhalten hast oder nicht – die Studienzeit wird trotzdem darauf angerechnet.
  • Du musst deine Gründe für den Abbruch und das anvisierte neue Studium plausibel darstellen können.
  • Anerkannte Gründe sind zum Beispiel:
    • ein Konfessionswechsel
    • das Studienfach ist doch zu anspruchsvoll
    • eine Änderung der Weltanschauung
  • Gründe, die nicht anerkannt werden:
    • finanzielle Schwierigkeiten
    • Zwangsexmatrikulation nach dem 4. Semester

Wer erst nach dem 4. Semester ein anderes Studium beginnen möchte, muss triftige Gründe vorweisen können, wie zum Beispiel:

  • eine neu aufgetretene Erkrankung (Attest)
  • ein Konfessionswechsel

Eine zweite oder weitere Förderung muss in jedem Fall schriftlich beantragt werden.

Wie erkläre ich bei einer Bewerbung am besten, warum ich mein Studium abgebrochen habe?

Zuerst ist natürlich wichtig, dass du während des Gesprächs mit dem Personaler nicht ins Stottern gerätst, weil du selber ein schlechtes Gewissen wegen des Studienabbruchs hast.

Einige wichtige Punkte solltest du beachten, wenn du zum Vorstellungsgespräch eingeladen wirst und der Personalchef diesen Punkt in deinem Lebenslauf anspricht:

  • Vermeide Ausreden wie zum Beispiel, dass äußere Umstände dich zu dem Entschluss gezwungen haben. Du vermittelst damit nur den Eindruck, dass du selber diese Entscheidung bereust und nicht voll dahinter stehst. Potenzielle Chefs projizieren deinen Entschluss vielleicht auf die spätere Tätigkeit in ihrer Firma. Wer will schon einen Mitarbeiter, der nicht die Verantwortung für seine Entscheidungen übernimmt? Auch vermittelt dieses Rumlavieren den Eindruck, dass du deine Aktionen vorher nicht gründlich genug überlegst.
  • Ein selbstbewusstes aber nicht überhebliches Auftreten ist auch bei einer solchen Frage von Vorteil, schließlich hast du nichts zu verbergen.
    • Du kannst erzählen, dass du erst während deines Studiums gemerkt hast, dass ein anderes Fachgebiet viel mehr deinen Neigungen entspricht.
  • Auch, wenn du wahrheitsgemäß antwortest, dass das Studium dich überfordert hat, muss der Personaler dies nicht auf den angestrebten Job beziehen. Du musst nur gründlich vermitteln können, dass die Anforderungen des Jobs kein Problem für dich darstellen.
  • Ebenso kannst du private Gründe für den Studienabbruch angeben. Wenn du deutlich machst, dass die Probleme nun gelöst sind und keinen Hinderungsgrund für den neuen Job darstellen, ist auch dies kein Problem für den Personaler.

Wie du gemerkt hast, ist ein Studienabbruch nicht so schlimm, wie du wahrscheinlich im ersten Moment gedacht hast. Betrachte diese Entscheidung als Chance für einen Neuanfang. Der Kurswechsel wird dein Leben positiv verändern. Dir stehen nun viele Möglichkeiten offen, um wirklich DEIN Ding zu machen.

Weitere Infos zum Thema Studienabbruch findest du auch auf http://www.studium-ratgeber.de/studium-abbruch.php.