Lernstrategien

Pauken, Büffeln und Co.

So lernt der Studi

Zugegeben: Am Lernen kommst du während deines Studiums nicht vorbei. Aber wie lernt man erfolgsorientiert und zeitökonomisch? Denn schließlich möchte keiner über die Lernphase zum Eremiten werden. Wir haben ein paar der besten Lernmethoden hier zusammengestellt.

Lernen will gelernt sein. Oft verfolgen wir mehr oder weniger zufällig während der Schulzeit angeeignete Lernmethoden – ob sie zu uns passen oder nicht. Nach gescheiterten Prüfungen wird dann einfach die Anstrengung verdoppelt und man bleibt an der falschen Methode haften. Es macht viel Sinn, sich darüber Gedanken zu machen, WIE man lernt. Überlegt euch, was ihr vielleicht ändern könntet. Helfen 15 Minuten Vokabelübungen am Morgen als festes Ritual? Vielleicht bringen euch aber auch Fragen während des Seminars mehr weiter und erleichtern somit den Lerneinstieg. Oder ihr geht in die Sprechstunde des Dozenten und verschafft euch einen Überblick über das Grundthema – oft gibt es praktische Literaturhinweise und die Empfehlung von Schwerpunkten gratis dazu. Vielleicht lernt ihr auch in Gruppen besser, oder in der Institutsbibliothek statt zuhause? Seid ruhig experimentierfreudig und findet die für euch passende Methode. Das wird euch im Verlauf des Studiums viel Zeit und Frust ersparen.

Tricks

Zum Glück seid ihr nicht die ersten Menschen auf dieser Welt, die vor einem Wissensberg stehen und ihn irgendwie in den Kopf pressen müssen. Daher haben sich eure Vorgänger einige praktische Tricks und Eselsbrücken ausgedacht, um Dinge besser behalten zu können. Sie funktionieren nicht bei allen Gelegenheiten und sollten nach den jeweiligen Erfordernissen angepasst werden. Mit der Locitechnik könnt ihr zum Beispiel besonders gut Gliederungen, Reihenfolgen oder Aufzählungen behalten. Zum Beispiel die Symptome einer Erkrankung oder geschichtliche Ereignisse. Im ersten Schritt überlegt ihr euch dabei eine Abfolge von Orten; ob Reiseroute von eurem letzten Urlaub oder ein Rundgang durch eure Wohnung, ist egal. Diesen Weg müsst ihr euch in Gedanken genau einprägen.

Jedem Stichwort, das ihr nun erlernen müsst, assoziiert ihr nun mit einem Bild auf eurer „Route“ und geht diese dann Schritt für Schritt ab. Ein Vulkan, den ihr mal besucht habt steht dann für den Kochherd, die Spüle ist ein See und so weiter. Laut Experten lässt sich so beinahe mühelos eine Reihe von 50 Stichwörtern einprägen. In fünf Minuten lässt sich das Ganze aber auch nicht durchziehen – etwas Vorlauf braucht auch diese Methode, bis sie funktioniert.
Sich regelmäßig von jemandem abfragen zu lassen, klingt zwar nach alten Schultagen, ist jedoch tatsächlich sehr effektiv und führt einem die eventuellen Wissenslücken nochmals deutlich vor Augen. Forschungen haben ergeben, dass es sogar Sinn macht, sich bereits vor dem Lernen zu dem entsprechenden Thema befragen zu lassen. Scheinbar hilft die gedankliche Vorbereitung dabei, später neue Informationen in das bereits Bekannte einzubetten.

Struktur

Strategien hin oder her – ohne vernünftiges Zeitmanagement hilft auch die beste Lernstrategie nichts. Lernen beruht auf Wiederholung und das Gehirn braucht seine Zeit, bis es diese verinnerlicht hat. Seid ehrlich zu euch und prüft, wie lange ihr tatsächlich konzentriert lernen könnt. Von dieser eingeschätzten Zeit solltet ihr dann nur zwei Drittel konkret verplanen.

Wer mehrere Wochen des Lernens vor sich hat, sollte auch nicht unterschätzen, wie lang Einkaufen, Kochen, mit dem Hund raus gehen etc. dauert. Auch sollte man die sozialen Kontakte nicht unbedingt komplett vernachlässigen. Ein kurzer Plausch bei einem Kaffee mit einem guten Freund kann den Kopf angenehm frei machen und die Motivation langfristig steigern. Nach 1,5 – 2 Stunden wird das Gehirn müde. Dem kann man mit einem Snack oder einem kurzen Spaziergang sehr gut entgegenwirken. Je detaillierter ihr eure Planung aufstellt, desto genauer könnt ihr abschätzen, ob und wie stark ihr überzogen habt und bei Bedarf rechtzeitig die Planung überdenken.

Vielleicht legt ihr euch auch einen Stundenplan für das gesamte Semester an, in dem ihr eure Veranstaltungen, Nebenjobs, Partys und Prüfungstermine verzeichnet. Weitblick kann hier enorm hilfreich sein.
Habt keine Scheu davor, euch mit anderen zu vergleichen! Den eigenen Wissenstand einschätzen zu können, ist enorm wichtig. Wenn ihr merkt, dass ihr euren Kommilitonen stark hinterher hängt, müsst ihr nun mal mehr Lernzeit einplanen. Daran ist nichts peinlich oder falsch, Bequemlichkeit ist in diesem Fall nicht angebracht. Natürlich kann es auch passieren, dass ihr so einen Wissensvorsprung den anderen gegenüber feststellt. Dann könnt ihr eure Zeit woanders sinnvoller investieren.
Es hilft enorm, sich schon während der Vorlesungen und Seminare mit dem jeweiligen Thema zu beschäftigen. Kann man den Lernveranstaltungen folgen, erleichtert es den Start der Lernphase ungemein, da man nicht erst feststellen muss, worum es überhaupt geht.

Auswendiglernen

Ja, das Auswendiglernen ist und bleibt ein lästiger aber unvermeidbarer Bestandteil des Lernprozesses. Jedoch solltet ihr euch davor hüten, einfach Seite für Seite und Absatz für Absatz „abzuhaken“. Wenn ihr das Gelesene nicht versteht, bringt es euch nichts, an einem Tag ein komplettes Buch durchzupflügeb. Diese Zeit ist dann mehr oder weniger verloren. Nur was verstanden wird, kann nachher durch Wiederholungen gefestigt werden. Zunächst solltet ihr euren Stoff durchdenken und innerlich durchstrukturieren. Hierbei könnt ihr euch zweier Hilfstechniken bedienen. Bei der reduktiven Methode bewaffnet ihr euch mit einem Textmarker und macht eure Texte schön bunt. Oder ihr fertigt eine Skizze bzw. ein Schaubild an. Beides hilft dabei, überflüssige Passagen auszublenden und das Wesentliche in den Fokus zu rücken.

Das Gegenstück dazu nennt sich elaboratives Lernen. Elaborativ bedeutet, dass ihr dem Text Fragen stellt und dort auch nach Antworten oder Beispielen sucht oder euch überlegt, wo ihr das Erlernte praktisch einsetzen könntet. Das neue Wissen wird so mit eurem bereits vorhandenem verknüpft. Ihr könnt in einem Mix aus beiden Methoden auch eine eigene Zusammenfassung schreiben. Oder ihr versucht das Erlernte jemandem zu erklären, der von der Materie keine Ahnung hat. Dies ist am Anfang ziemlich schwierig, eignet sich aber perfekt dafür, die eigenen Wissenslücken aufzudecken.
Sich immer und immer wieder das gleiche Wissen einzutrichtern kann den unangenehmen Nebeneffekt haben, dass das vorher Gelernte dem später Gelernten zum Opfer fällt – oder auch umgekehrt. Daher solltet ihr nach Möglichkeit immer wieder mal einen kleinen Themenwechsel einbringen, der euren Fokus auf neue Dinge lenkt und dem Gehirn hilft, klare Grenzen zwischen einzelnen Lerninhalten zu ziehen.

Und noch mehr Input!

SQ3R steht für Survey – Question – Read – Recite – Review. Bei dieser Methode geht ihr ganz strukturiert an euren Text heran. Beim Survey betrachtet ihr euer Buch zunächst ausführlich, bevor ihr einfach mit dem ersten Kapitel los legt. Untersucht das Inhaltsverzeichnis, um einen Überblick über die Struktur des Textes zu bekommen. Welche Schlüsse lassen sich aus dem Vorwort, Klappentext und den Überschriften ziehen? Werdet euch darüber klar, welche Informationen ihr von dem Text erwartet und notiert dies in Form von Fragen. Etwa: Wieso liefert die Evolutionslehre eine Erklärung für die natürliche Artenvielfalt? Weshalb stehen Adjektive im Italienischen mal vor und mal hinter dem Hauptwort? Seid euch über das Verhältnis eures übergreifenden Lernthemas und des vorliegenden Textes bewusst. Danach geht ihr Abschnitt für Abschnitt vor und achtet besonders darauf, was unklar geblieben ist und welche der Anfangsfragen eventuell bereits beantwortet wurden. Anschließend fasst man alles in eigenen Worten zusammen und schreibt sich die wichtigsten Aspekte und die Antworten auf die im Vorfeld gestellten Fragen auf. Bei dem letzten Schritt Review prüft ihr schließlich, ob ihr die Aussagen korrekt zusammengefasst habt und geht auf unklare Stellen nochmal ein.

Bei der Strategie „Verteiltes Lernen“ unterteilt man den Stoff in sinnvolle Abschnitte und wiederholt jeden davon im Laufe der Zeit immer wieder. Wichtig ist dabei, dass man bei den Wiederholungen nicht einfach den Text nochmal liest. Auch in der Wiederholungsphase solltet ihr den Stoff nochmal kurz durchdenken und euch der wichtigsten Aspekte nochmals bewusst werden.

Ein einfaches und nützliches Tool zur Visualisierung und Strukturierung des Stoffes. Von der Ausgangsthese oder dem Kern der Sache gehen einzelne Linien zu allen entscheidenden Punkten, die für das Thema wichtig sind. Von diesen könnt ihr weitere Unterpunkte ableiten. Theoretisch geht dies bis ins Unendliche, doch irgendwann leidet die Übersicht. Dann empfiehlt es sich für wichtige Unterbegriffe eigene Mindmaps anzulegen. Die Bildhaftigkeit hilft dabei, sich die Zusammenhänge einzuprägen.